Arthur Abraham, der amtierende Weltmeister, ist eloquent. "Das ist für mich ein bisschen traurig", antwortet er auf die Frage, was er dabei empfinde, wenn er nun gegen einen Landsmann boxen müsse. Der Kampf um die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht des Profiverbandes IBF ist für ihn ein besonderer, denn sein Gegner hat eine erstaunlich ähnliche Vita. Wie sein Kontrahent, Khoren Gevor, stammt Abraham ursprünglich aus Armenien.

Sie verbindet aber noch mehr. Beide wanderten in den 90er Jahren nach Franken aus: Abraham nach Bamberg, Gevor nach Nürnberg. Beim Boxclub 1. FC Nürnberg haben sie sich vor zehn Jahren kennengelernt. Später ging Gevor zum Hamburger Boxstall Universum, während Abraham zu Universums Konkurrenten Sauerland wechselte.

Abraham ist siegessicher. Er gibt Gevor einen Ratschlag: "Er sollte besser um den WM-Titel eines anderen Verbandes boxen." An Weltverbänden mangelt es im Profiboxen bekanntlich nicht. Über zwanzig gibt es, Experten halten drei oder vier für wichtig. Abraham ist als IBF-Titelträger Weltmeister bei einem der anerkannten Verbände. Ein anderer deutscher Profiboxer mit Migrationshintergrund ist ebenfalls Mittelgewichtsweltmeister: Felix Sturm ist Titelträger der WBA, der World Boxing Association.

Ganz gleich in welchem Weltverband - im deutschen Boxen hat ein Stabswechsel stattgefunden. Seit die Maskes und Schulzens nur noch zu Comebackshows zurückkommen, sind die besten deutschen Profiboxer Migranten. Felix Sturm, geboren zwar in Leverkusen, aber bosnischer Abstammung, heißt eigentlich Adnan ?ati?. Er legte sich wie Arthur Abraham, der als Avetik Abrahamyan im armenischen Eriwan geboren wurde, lediglich einen deutsch klingenden Namen zu. "Das ist mein Künstlername", sagt Abraham, man dürfe das nicht als Anbiederung verstehen. "Der ist besser für das deutsche Publikum und auch besser für mein Image."

Als Arthur Abraham 1995 nach Deutschland kam, war er 15 Jahre alt. Er integrierte sich über den Sport. Erst fuhr er Radrennen ? "Ich war sogar Frankenmeister und nordbayerischer Meister" ?, dann fing er mit Boxen an. Er war gut, boxte sich hoch, doch um das höchste Ziel eines jeden Amateurs zu erreichen, die Teilnahme an den Olympischen Spielen, musste er nach Armenien zurück. "In Deutschland habe ich die Hauptschule absolviert und dann noch Berufsschule", sagt Abraham. Anschließend ging er zurück nach Armenien, um sich fortzubilden. In seiner Heimat studierte er Internationales Management. Im Jahr 2003 kam er zurück nach Deutschland. Er wollte Berufsboxer werden, doch kein armenischer Manager. Doch zunächst wurde er lediglich als Sparringspartner von Sven Ottke angeheuert. Für 75 Euro pro Tag absolvierte er Trainingskämpfe für den damaligen Weltmeister im Supermittelgewicht.

Entdeckt wurde Abraham schließlich von Ulli Wegner, dem Cheftrainer im Sauerland-Boxstall. Von ihm bekam er einen Vertrag - und bald auch seinen Künstlernamen. Für bessere Vermarktung in Deutschland musste, da war sich Wegner sicher, ein deutscher Name her. Aus Abrahamyan wurde Abraham. Das wiederum erinnerte die Männer im Boxstall an Vader Abraham und sein "Lied der Schlümpfe". So wurde aus Arthur Abraham der "Schlumpfboxer", der mit entsprechender Musik und Mütze in die Hallen marschierte. Abraham arrangierte sich damit, es machte ihn populär, es öffnete ihm den Weg in die BILD -Zeitung.