Fußballfans können wirklich ungerecht sein. Da hat sich der Hamburger Spielmacher Rafael van der Vaart endlich einmal um seinen kleinen Sohn gekümmert, hat ihn daheim im Wohnzimmer liebevoll durch die Luft gewirbelt und sich unglücklich am Rücken verletzt. Eigentlich sollte man ihn deshalb als Vater des Monats auszeichnen, schließlich braucht das Land familienpolitische Vorbilder.

Stattdessen jedoch wurde der niederländische Kapitän des HSV am Sonntag im eigenen Stadion mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt. Nur weil er wegen seiner Rückenverletzung am Donnerstag in Budapest nicht in der Uefa-Cup-Qualifikation mitspielen konnte, gilt er an der Elbe jetzt als gemeiner Hochverräter, arroganter Geldsack und gewissenloser Simulant.

Armer Rafael van der Vaart. Dabei kann so ein Hexenschuss wirklich schmerzhaft sein. Wie können böse Kommentatoren da nur auf die Idee kommen, der HSV-Profi habe die Verletzung lediglich simuliert, damit er noch in dieser Saison in Valencia in der Champions League spielen und dort viel mehr Geld verdienen kann? Wo es doch für den Mittelfeldregisseur allenfalls eine „Herzensangelegenheit“ wäre, zukünftig in Spanien zu spielen. Kann man ja auch verstehen. Schließlich scheint in Valencia das ganze Jahr die Sonne und die Mittelmeerstrände sind auch nicht weit. Kein Vergleich zum Hamburger Schmuddelwetter. Den Filius würde es auch freuen.

Van der Vaart wäre nicht der erste Fußballspieler, der mit schlechten Leistungen, Dienst nach Vorschrift, unverschämten Gehaltsforderungen oder vorgetäuschten Verletzungen seinen vorzeitigen Vereinswechsel erzwungen hätte. Wo neue lukrative Verträge winken, findet sich immer auch ein Weg, sich aus den alten herauszuwinden. Sich schon mal mit dem Trikot des neuen Vereins abbilden zu lassen, wie es van der Vaart am Wochenende getan hat, ist auch eine Möglichkeit. Die Zeit drängt schließlich, denn bis zum Monatsende muss der Wechsel vollzogen sein. Sonst schließt für dieses Jahr die Transferliste. Bis dahin wird sich der Möchtegern-Spanier wohl noch was einfallen lassen. Die Liste der Tricks und Kniffe von Fußballprofis und ihren Beratern ist lang. Und das „Nein“ des HSV-Sportdirektors Dietmar Beiersdorfer allenfalls eine hilflose Geste.

Miroslav Klose weiß, wovon die Rede ist. Der hatte noch versichert, er wolle seinen Vertrag in Bremen erfüllen, als er sich mit den Bayern längst einig war. Als Werder Kloses Treueschwur ernst nahmen und tatsächlich an ihm festhalten wollte, da trabte er nur noch über den Platz, vergaß solange das Tore schießen, bis die Meisterschaft für Werder perdu war und Bremens Manager Klaus Allofs mit seinem wechselwilligen Star bei 12 Millionen Ablösesumme schließlich ein Einsehen hatte.

Richtig Spaß hatte Klose allerdings nicht, als er am Samstag mit den Münchenern an seinen alten Arbeitsplatz im Weserstadion zurückkehrte. Erst bekam er zum Abschied nachträglich Blumen. Anschließend trat der Bremer Verteidiger Naldo ihm so gnadenlos in die Beine, als ob er mit dem Ex-Mannschaftskollegen wegen der verpatzten Meisterschaft noch eine Rechnung offen habe. Als der Neu-Münchener nach 45 Minuten vom Platz humpelte, spendeten die Bremer Fans höhnisch Beifall.