Es ist Alltag in den Behörden, und Unternehmen sind die eifrigsten Nutzer: E-Government ist längst keine umstrittene Idee mehr, sondern schlicht Realität. Allerdings wird sie öffentlich kaum wahrgenommen. Das liegt vor allem an den Einsatzbereichen, in denen elektronisch verwaltet wird: beim Zoll, bei der Rentenversicherung, den Geoinformationssystemen, wenn es um Grundbuchanfragen geht, die LKW-Maut oder die Umsatzsteuervoranmeldung. Der Durchschnittsbürger muss sich in aller Regel nicht mit solchen Dingen herumschlagen - Unternehmen und Selbstständige dagegen regelmäßig, viele sogar täglich. Digitalisierung soll den Verwaltungsaufwand für Behörden und Wirtschaft reduzieren, soll Zeit und Kosten sparen und den Komfort verbessern. Wo der Kontakt mit Behörden unvermeidbar ist, soll er einfacher, schneller und damit erträglicher gemacht werden.

Anders als bei den Angeboten an die Bürger werden die Unternehmen in wichtigen Bereichen zu ihrem Glück gezwungen: so zum Beispiel bei der Umsatzsteuervoranmeldung. Dafür haben die Finanzbehörden ein Portal mit dem schönen Namen ELSTER-Online-Portal geschaffen. Bei der Zollabwicklung gibt es zwar noch die Wahlfreiheit, aber eher in der Theorie. „Für den professionellen Gebrauch kommt beim Warenimport faktisch nur noch die Abwicklung per Internet in Frage. Das läuft komplett elektronisch ab“, sagt David Demir von der Spedition Hartmann International. Das mittelständische Unternehmen aus Paderborn mit seinen 200 Mitarbeitern nutzt diese Möglichkeit gern. Man sei dadurch viel flexibler, da man an keine Öffnungszeiten mehr gebunden ist. Außerdem sei auch eine vorzeitige Anmeldung der Waren möglich. „Alles in allem eine große Erleichterung“, sagt Demir. Auch beim Export könne man zwar noch – übergangsweise – zwischen altem und neuem Verfahren wählen. Doch „natürlich nutzen wir auch dort die Abwicklung per Internet, das ist einfach praktischer“, sagt Demir.

Auch in anderen Bereichen macht sich die Digitalisierung positiv bemerkbar: Beim Grundbuchamt konnte ein Antragsteller vor Einführung der elektronischen Hilfen schon mal mehrere Wochen auf seinen Grundbuchauszug warten. Zudem sind beim persönlichen Vorsprechen Öffnungszeiten ein Problem. „7.30 bis 13.00 Uhr“ ist keine Seltenheit. Für Behörden, Unternehmen oder Notare verkürzt sich die Prozedur nun deutlich. „Das ist bei uns innerhalb von zwei Minuten erledigt.“ sagt René Hering, Baufinanzierungsberater bei der Berliner Sparda Bank, „dank des elektronischen Abrufs.“ Das Unternehmen bietet seinen Kunden im Kredit- und Immobiliengeschäft einen besonderen Service an. Musste sich der Antragsteller bisher selbst an das Grundbuchamt wenden, übernimmt dies nun der Kreditsachbearbeiter über den bankeigenen Zugang. „Da ersparen wir unseren Kunden einen Weg und verkürzen außerdem die Bearbeitungszeit,“ sagt Hering. Damit die Bank diesen Service anbieten konnte, musste sie Spezialsoftware kaufen und zahlt pro Anfrage eine Gebühr von zehn Euro.

Auch die Behörden profitieren vom E-Government. Allein das Land Niedersachsen verzeichnet in seinen Grundbüchern 3,1 Mio. Grundbuchblätter, Akten, in denen alle relevanten Informationen über Grundstücke eingestellt sind. Diese wurden in den vergangenen Jahren aus den 80 Amtsgerichten zusammengetragen und im Landesbetrieb Informatikzentrum Niedersachsen zu einer zentralen Datenbank zusammengefasst. Für den Zugriff wurde eigens eine Software entwickelt. „SolumSTAR“ ist derzeit in 13 Bundesländern im Einsatz. Heute werden in Niedersachsen an jedem Werktag etwa 10.000 Zugriffe online abgewickelt. Die Anfragen kommen zu 90 Prozent von den Mitarbeitern der landeseigenen Verwaltung und Justiz. Außerdem findet ein Datenaustausch mit dem Automatisierten Liegenschaftsbuch der Katasterämter statt.