Und es wird noch voller werden. Die Messeleitung der Computerspielemesse Games Convention erwartet in diesem Jahr mit 200.000 Besuchern noch mal 17.000 Gäste mehr als im Vorjahr. Wer das Gedränge der Vorjahresveranstaltung in Erinnerung hat, ahnt was diesmal auf ihn zu kommt.

Doch die Messe scheint - wie die gesamte Spielebranche - entschlossen zu sein, nun insbesondere neue Zielgruppen für Videospiele, interaktive Unterhaltung und digitales Lernen zu erschließen. So präsentiert die Games Convention in diesem Jahr zum ersten Mal "GC Freestyle", eine Art Open-Air-Komplettpaket mit Zeltplatz, Freibad, Sportangeboten und abendlichen Popkonzerten, das auch die weniger an Spielen Interessierten mit Festival-Atmosphäre anlocken soll.

In den Messehallen können Nichtspieler ein Kino besuchen, das japanische Zeichentrickfilme zeigt, durch die Sonderaustellungen "GC Art" und "Telespiele 1972-2007" schlendern oder sich im Familienbereich über digitale Wissensvermittlung, die kreative Nutzung neuer Medien und die aktuellen Bestimmungen des Jugendschutzes informieren. Außerdem findet, wie schon in den Jahren zuvor, ein "sinfonisches Spielemusikkonzert" im Leipziger Gewandhaus statt. "Das Konzert soll zeigen, dass Spiele auch jenseits von Gewaltdiskussionen und reinen Verkaufszahlen wahrgenommen werden können", meint Thomas Böcker, Organisator des Spielemusikkonzerts.

Es geht den Veranstaltern darum, den vor allem in Deutschland oft als gewaltverherrlichend oder stumpfsinnig verschrienen Games zu größerer gesellschaftlicher Akzeptanz zu verhelfen. Ohne dies wird die Branche kaum in größerem Umfang Neukunden interessieren können. Nur mit der Zielgruppe "männlich, unter 30, kompetent im Umgang mit Computern" ist heute kein Wachstum mehr möglich. So konzentrieren sich die Aussteller der Spielemesse jetzt auf die Nichtspieler und die Casual Gamers , die Gelegenheitsspieler.

Für Casual Gamers hat vor allem der japanische Hersteller Nintendo niederschwellige Angebote. Mit seiner neuen Spielekonsole Wii und dem tragbaren Gameboy-Nachfolger DS konnte er zeigen, dass Konsolen mit neuartigen Bedienkonzepten selbst dann sehr erfolgreich sein können, wenn ihre Rechenleistung nicht mit denen der Konkurrenz mithalten kann. Für die Bedienung beider Geräte benötigt man weder technische Vorkenntnisse noch jahreslanges Training an Gamepad oder Joystick: bei der Wii genügt es, die Fernbedienung zu bewegen, der DS wird vor allem per Touchscreen bedient. Neue Wege werden auch bei der Software beschritten, die sich manchmal kaum noch in die klassischen Spielegenres wie Action, Strategie oder Rollenspiel einordnen lässt: Immer häufiger geht es zum Beispiel um Gedächtnistraining, Welpensimulationen oder bewegungsbetonte Party- und Gruppenspiele, bei denen man richtig ins Schwitzen gerät.