Lieber ?arald, wie Natalie Licard sagen würde,

für den Life Time Achievement Award ist es am 50. Geburtstag noch zu früh, aber gratulieren dürfen wir trotzdem für eine Art Lebensleistung: Sie sind in die ironiefreie Zone des deutschen Fernsehens eingebrochen, haben hier ein Türmchen geschleift, dort eine Mauer eingerissen. ?Samstag Nacht? wurde von ?Saturday Night Live? abgekupfert, ?Guckst du weita? ist Klamauk.

Sie haben sich vielleicht von David Letterman inspirieren lassen, aber dann ein ganz eigenes Format kreiert, das es im deutschen Fernsehen nie gab. Siehe jene Karikatur in einem deutschen Blatt, wo ein deutscher Tourist in Amerika Letterman guckt und (sinngemäß) zu seiner Frau sagt: ?Schau mal, das ist der amerikanische Harald Schmidt.?

Der Trick der Ironie (im Gegensatz zu Spott, Klamauk oder Häme) ist, dass sie nie verletzt, sich in ihrer höchsten Form gar gegen den richtet, der sie artikuliert. Das war im Reich der Dichter und Denker nie eine hervorstechende Kunst; selbst Heine und Börne waren eher empört als ironisch, eher elegisch als witzig. Mithin haben Sie auf neudeutsch einen ?Paradigmenwandel? in der Kultur vollzogen, und das in einem Land, in dem als bewährte Medienweisheit galt: ?Ironie läuft nicht.?

Dass dieser Kulturbruch zuerst in SAT 1 organisiert wurde, ehrt diesen Privatsender, dass die SAT1ler Sie dann zur ARD gehen ließen, ehrt wiederum diesen Öffentlich-Rechtlichen. Dass Sie solche großen Kulturbollwerke wie Marcel Reich-Ranicki und die ZEIT durch den (sehr gehaltvollen) Kakao gezogen haben, sollten beide ebenfalls als Ehrbeweis betrachten, denn es ist viel besser, ironisiert als ignoriert zu werden.

Kurzum, Sie sind eine Ein-Mann-Kulturrevolution gewesen. Aber eine leise und verschmidtste; die Pfeile trafen, ohne durch Lächerlichkeit zu töten.

Dereinst werden Germanisten und Kommunikationswissenschaftler (früher: Journalistenschüler) Dissertationen über Sie schreiben, natürlich ernsthaft und theoriedurchtränkt. Ihr Ruhm wird gefestigt werden durch Seminare wie ?Semiotik und Symbolismus bei Harald Schmidt?.

Und jetzt zurück an die Arbeit: Paradigmen knacken!

Herzlichen Glückwunsch

Ihr Josef Joffe