Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sprach in der Netzeitung von einer “offensichtlichen Gefährdungslage“ für Ausländer. Er beklagte Defizite und warf der Politik Versagen vor. "In den letzten Monaten hat sich nichts wirklich verändert in der konzeptionellen Auseinandersetzung mit dem Thema", sagte Kramer.

Kramer warf den "etablierten Parteien" vor, sie seien unfähig, "das Problem Rechtsextremismus zu lösen". Kritik äußerte er auch an der Bundesregierung. "Es gibt bis heute keinen bundesweiten mit den Ländern und Kommunen koordinierten Aktionsplan". Vom Familienministerium eingesetzte Kommissionen hätten meistens kein Mitspracherecht, sondern seien "Alibiveranstaltungen". Kramer sprach sich dafür aus, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Zuständigkeit für das Thema Rechtsextremismus zu entziehen und Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) zu übertragen.

Zugleich regte er an, über ausländerfeindliche Regionen in Ostdeutschland erneut zu debattieren. Nach seiner Ansicht "sollte man davor warnen, in bestimmten ostdeutschen Landstrichen und Städten, sich als Ausländer oder erkennbar Fremder niederzulassen". Das sei "keine Hysterie", sondern eine "bittere Tatsache", die durch die Vorfälle bedauerlicherweise immer wieder bestätigt werde. "Gestern Farbige, heute Ausländer, morgen Schwule und Lesben oder vielleicht Juden", sagte er.

Am Dienstagabend haben rund 200 Menschen aus der linken Szene in der Kleinstadt gegen den Vorfall protestiert. Die Spontandemonstration sei kurzfristig von den zuständigen Behörden genehmigt geworden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Innenministerium in Dresden. Die Demonstranten gehörten teils zum so genannten Schwarzen Block. Der Protest sei “im Wesentlichen störungsfrei“ verlaufen.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte indes in der ARD vor Vorverurteilungen. Es müssten zunächst die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abgewartet werden, um die Hintergründe der Tat beurteilen zu können, sagte der Regierungschef. Sachsen sei ein weltoffenes Bundesland, dessen Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit dem Ausland angewiesen seien. Der Vorfall in Mügeln sei daher nicht nur aus menschlichen, sondern auch „aus ökonomischen Gründen“ schädlich für den Freistaat.