Nun ist sie wieder da, die Debatte über die ausländerfeindliche Gewalt in Ostdeutschland. Fast auf den Tag genau 15 Jahre nach den bislang schlimmsten fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen jagten und verprügelten in einem sächsischen Dorf am Wochenende 50 junge Deutsche nach einem Streit auf einem Dorffest acht Inder und verletzten sie zum Teil erheblich. Die Öffentlichkeit reagiert entsetzt, Polizei und Staatsschutz ermitteln. Vor allem die Kommentatoren der regionalen Zeitungen befassen sich an diesem Dienstag ausführlich mit dem Thema. Sie sind größtenteils einer Meinung.

1992 hatten Rechtsradikale unter dem Beifall von Rostocker Bürgern tagelang ein Asylbewerberheim belagert und in Brand gesetzt. Wie damals sollen auch in Mügeln etliche Festbesucher der brutalen Treibjagd zugesehen haben, ohne etwas zu unternehmen. Haben sie das Geschehen tatenlos beobachtet oder es sogar angefeuert? Haben sie sich vielleicht sogar vom Sog der Gewalt mitreißen lassen?

Bislang sind diese Fragen ungeklärt, dennoch sind sich die Medien in ihrer Beurteilung der Vorfälle in Mügeln relativ einig. Ihrer Ansicht nach war der Vorfall keine "normale Volksfestschlägerei". Vielmehr hätten sich in Mügeln - wieder einmal - rechtsextreme, ausländerfeindliche Einstellungen ausgelebt.

Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt, es sei schockierend, wie tief radikales Gedankengut bereits in der Mitte der frustrierten ostdeutschen Gesellschaft angekommen ist. Und fragt weiter: "Wie sonst ist zu erklären, dass in einem bislang unauffälligen Ort wie Mügeln aus einer harmlosen Bierzeltrempelei eine tödliche Gefahr werden kann und niemand imstande ist, Zivilcourage zu zeigen?" Alarmierend sei zudem, dass die Polizei zwar die Rufe ausländerfeindlicher Parolen bestätigt, aber keinen rechten Hintergrund erkennt.

Schärfer beurteilt die Abendzeitung München die Reaktion der Polizei. "Dutzende deutsche Halbstarke attackieren acht Inder, hetzen sie quer durch die Stadt, prügeln sie windelweich, brüllen "Ausländer raus" und "Hier regiert der nationale Widerstand". Und die Polizei wage die Prognose, dass ein fremdenfeindliches Motiv "nicht ausgeschlossen" sei.

Ist die Polizei möglicherweise überfordert? Oder unterschätzt sie die Neonazis? Gilt es in manchen Regionen gar als nicht schlimm, Ausländer zu attackieren? Diese Fragen stellen die Nürnberger Nachrichten . Dass die Festgäste den Pöbeleien und dann den Attacken tatenlos zusahen, deute jedenfalls in diese Richtung.