Der türkische Außenminister Abdullah Gül unternimmt am Montag einen zweiten Anlauf, um Präsident der Türkei zu werden. Der vom Militär kritisch beäugte Ex-Islamist und Vertraute von Ministerpräsident Tayyip Erdogan ist Kandidat der konservativ-religiösen Regierungspartei AKP, die im Parlament über die absolute Mehrheit verfügt. Allerdings ist in den ersten beiden Wahlgängen eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, im dritten genügt die absolute Mehrheit. Daher dürfte Gül erst im dritten Wahlgang am 28. August zum Präsidenten gewählt werden.

Die säkularen Eliten des Landes verfolgen Güls Kandidatur für die Nachfolge von Ahmet Necdet Sezer weiterhin mit Argwohn, weil sie ein Ende der strikten Trennung von Staat und Religion befürchten. Vor vier Monaten verhinderte das kemalistische Establishment die Wahl Güls. Das hatte vorgezogene Wahlen zur Folge, aus denen die AKP jedoch gestärkt hervorging.

Das türkische Verfassungsgericht hatte den Wahlgang im Mai wegen der Abwesenheit der linken Oppositionspartei CHP für ungültig erklärt. Bei Güls zweiten Anlauf dürfte das Quorum nun wohl erreicht werden, weil die zweite Oppositionspartei, die nationalistische MHP, ihre Anwesenheit zugesagt hat. Die linke CHP will die Sitzungen dagegen erneut boykottieren.