Seit Rafael van der Vaart vor zwei Jahren von Amsterdam nach Hamburg gewechselt ist, zählt er zu den besten Spielern der Fußballbundesliga. Die Hamburger machten den Holländer schnell zum Mannschaftskapitän, die Boulevardpresse war entzückt von dem mondänen Neu-Hansestädter und seiner hübschen Ehefrau, einer MTV-Moderatorin.

Umso größer ist in Hamburg nun die Empörung, da der Mittelfeldspieler diese Zuneigung urplötzlich zu verschmähen scheint. Vor einigen Tagen ließ van der Vaart öffentlich über seinen Berater, den dänischen Ex-Profi Sören Lerby, mitteilen, dass er Hamburg am liebsten so schnell wie möglich verlassen möchte. Der spanische Klub FC Valencia habe großes Interesse an seinen Diensten.

Der Spielmacher und sein Berater übten fortan massiven Druck auf die sportliche Führung des HSV aus. So drängten sie wenige Tage vor dem wichtigen Uefa-Cup-Qualifikationsspiel in Budapest auf ein Gespräch der HSV-Führung mit der Chefetage des FC Valencia. Als der HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer auf dieses Ansinnen nicht reagierte, nannte van der Vaart  dieses Verhalten "arrogant". "Die Fronten sind völlig verhärtet", sagte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker. In Hamburg kursieren bereits Gerüchte, dass van der Vaart künftig seine Leistung verweigern wird, um eine Freigabe doch noch zu erpressen.

Nun hat der HSV auf die öffentliche Untreue des Niederländers reagiert. Beiersdorfer schaltete den Fußball-Weltverband Fifa und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ein. Er schickte dem FC Valencia einen Brief, in dem er anmahnte, die Bemühungen um van der Vaart "unverzüglich" einzustellen, da der Spieler nicht zum Verkauf stünde. Kopien dieses Briefes wurden an die DFL und die Fifa gesandt, die sich bei weiteren Verstößen einschalten könnten.

Laut Fifa-Statuten darf schließlich weder ein Konkurrenz-Klub noch ein Spielerberater einen Profi zur Auflösung seines Vertrages bewegen. Sollte Lerby oder Valencia nachgewiesen werden, dass sie van der Vaart aufgefordert haben, seinen Verkauf zu forcieren, droht Lerby seine Vermittler-Lizenz zu verlieren. Valencia muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Lerby hatte zusammen mit van der Vaarts Vater noch am Rande des Uefa-Cup-Spiels bei Honved Budapest (0:0) Beiersdorfer zu überreden versucht, aber eine deutliche Abfuhr erhalten.

Der 24-jährige van der Vaart, der sich mit angeblichen Rückenschmerzen krank gemeldet hatte, wollte am Donnerstag keinen Kommentar mehr abgeben. Ob er am Sonntag in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen auflaufen wird, ist unklar. Die Lokalpresse in Valencia berichtet, dass van der Vaart bereits nach einem Haus in der ostspanischen Hafenstadt suche.