Die besondere Bedeutung von Schuhen ist altbekannt: Schon beim Grimm'schen Aschenputtel erkennt der gute Prinz seine wahre Zukünftige an den richtigen Pantoffeln. Der Auftritt zweier Stiefeletten kann den Eindruck einer Person ins rechte Licht rücken oder für eine Menge Streit sorgen.

In der Gegenwart werden Fußbegleiter, wenn sie neben Kleidungsstück gleichzeitig Arbeitsgerät sind, zu Streitobjekten. In mindestens drei Paar Fußballschuhe - je nach Rasenhärte mit Stollen-, Nocken- oder Multinocken-Sohle beklebt - kann ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor einem Match seine Füße stecken. Lange haben DFB und Adidas darüber gestritten, ob diese Schuhe (und der Rest des Fußballerausrüstung) ab dem Jahre 2011 weiterhin vom deutschen Sportschuhhersteller bereitgestellt werden sollen. Die Manager von Adidas sind dafür. Konkurrent Nike und einige Nationalspieler waren allerdings schon im vergangenen Jahr dagegen.

Des Schuh-Schauspiels erster Akt begann im Sommer 2006: Freie Schuhwahl für freie Menschen forderten damals die Nationalspieler. Miroslav Klose, Jens Lehmann und Christoph Metzelder wollten sich nicht vorschreiben lassen, mit welchen Galoschen sie im Nationaltrikot gegen den Ball treten. Um ihrer Forderung Nachdruck zu geben, drohten sie das Länderspiel gegen Schweden im August vor einem Jahr zu boykottieren. Der erste Schuhstreik der Fußballgeschichte stand bevor.

"Wir wollen endlich in den Schuhen spielen, die wir auch in unseren Vereinen tragen. Es geht nicht ums Geld. Es geht um die Gesundheit", sagte Jens Lehmann. Wie Miroslav Klose klagte der Torwart gar über "körperliche Schmerzen", die die Fremdtreter während der WM bei ihm verursachten. Sein Arbeitgeber, Arsenal London, empfahl dem Nationaltorwart eine ganz einfache Lösung: "Du fährst lieber nicht mehr zur Nationalmannschaft", habe Arsenal zu Lehmann gesagt. Selbst Michael Ballack, der an seinen Zehen auch sonst am liebsten Adidas spürt, forderte schließlich: "Es sollte jeder das tragen dürfen, was er möchte."

Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hielt dagegen: "Traditionell spielen wir in einheitlicher Kleidung und einheitlichen Schuhen. Wir haben einen langfristigen Vertrag mit Adidas", sagte er in einem Interview. Wo kämen wir denn hin, wenn sich jeder an die Füße zieht, was er will? Der Schuhzwang ist gut, weil er schon immer gut war!

Der Traditionalist mit Wurzeln in Freiburg bot aber noch ein weiteres Argument auf: Die Spieler haben eine soziale Verpflichtung, drei Streifen am Fuß zu tragen: Schließlich könne der DFB dadurch "seinen vielfältigen Aufgaben wie auch der Nachwuchsförderung nachkommen". Mit anderen Worten: Jeder Schuh ohne Streifen bedeutet auch weniger Geld im Portemonnaie des DFB.