Erinnert sich noch jemand an General Noriega, Panamas Diktator, einst Verbündeter der Vereinigten Staaten und später deren Feind Nr. 1? Der ehemalige Doppelagent, Populist und Drogenboss hat sich im US-Knast, in den er nach der Invasion Panamas im Jahr 1989 wandern musste, dermaßen gut geführt, dass ihm am 9. September die vorzeitige Entlassung winkt.

Also ja: Wir erinnern uns. Nicht zuletzt an die verrückteste Episode der Invasion, die vorwiegend dem Zweck diente, den "Melone" genannten Staatschef zu fassen: Noriega war in die Botschaft des Vatikans geflüchtet, die daraufhin von GIs umstellt wurde. Man beschallte die Nuntiatur mit "Highway to Hell", und was schon in Jericho geklappt hatte, gelang schließlich auch hier: Der Feind lenkte ein. Wären nicht viele Hundert Tote zu beklagen gewesen, ließe sich das Ganze als operettenhafte Aufführung des in der zweiten Jahrhunderthälfte beliebten Stücks "Der Caudillo und die Invasion" historisieren.

Streitig ist immer noch, ob es den USA hauptsächlich um die Kontrolle des Panamakanals ging. Jedenfalls hätten Washington auch andere, nämlich kooperative Methoden offengestanden, sich diese zu sichern. Es bleibt die Tatsache, dass 1989 augenfällig demonstriert wurde, wer in der Region die Entscheidungskompetenz hat.

Und dann gibt es eine Nebenwirkung zu bedenken. Mit Noriegas Sturz waren zwar noch nicht alle bizarren Figuren der panamaischen Politik vertrieben, aber es setzte eine Entwicklung ein, die das Land politisch zivilisierte. Ob Absicht oder nicht (wohl eher nicht), aber Drogen und Korruption beherrschen Panamas nicht länger, ebenso wie Mord und Totschlag als politische Verkehrsformen ausgedient haben.

Nun also kommt Noriega wieder hervor. Nicht in die Freiheit freilich. Entweder wird er nach Panama ausgeliefert, wo er wohl, mittlerweile 73 Jahre alt, wie andere kriminelle Abuelos komfortablen Hausarrest genießen dürfen wird - oder nach Frankreich, wo ihm unangenehme weitere Verfahren drohen.

Die Entscheidung liegt bei der amerikanischen Außenministerin. Condoleezza Rice wird sich gut überlegen, ob sie den einstigen Kumpel von George Bush, dem Vater ihres Präsidenten, wirklich in die Öffentlichkeit eines Pariser Verhörs vorrücken lassen will. Und so könnte sich, anders als im Fall Saddam Husseins, am Ende der Zyklus vollenden: Verbündeter - Feind - Verbündeter.