Muss Politik verkauft werden wie Cornflakes? Diese Frage stellt sich, nachdem binnen Kurzem das zweite Bundesministerium dadurch aufgefallen ist, seine Botschaften mit nicht ganz lauteren Mitteln unters Volk gebracht zu haben. Erst hatte Wirtschaftsminister Michael Glos mit dem Versuch, bezahlte Eigen-PR für sich zu machen, für negative Meldungen gesorgt. Eine im  Auftrag seines Ministeriums handelnde PR-Agentur bot als Gegenleistung für gefällige Berichte Anzeigen der Bundesregierung. Gegenwert: 30.000 bis 40.000 Euro.

Jetzt berichtete das ARD-Magazin Report Mainz , das Familienministerium habe seine Pressemitteilungen dank einer PR-Agentur als Zeitungsartikel und Radioberichte daherkommen lassen, in der nicht unbegründeten Erwartung, sie würden vollständig und kommentarlos übernommen. Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen wertete dies als unzulässige Schleichwerbung. Nach dem Rundfunkstaatsvertrag seien solche als journalistischen Beiträge getarnten PR-Texte verboten, sagte ein Sprecher. Auch der Journalistenverband reagierte empört. Der Vorsitzende Michael Konken sprach von Propaganda.

Es geht um die Werbekampagne des Familienministeriums zur Einführung des Elterngeldes, einem Lieblingsprojekts Ursula von der Leyens. Im ganzen Land wurden dafür Plakate geklebt, Fernsehspots gesendet, Anzeigen gedruckt. Außerdem gab es Informationen für Medien, die darüber berichten wollten. Zwei PR-Agenturen verteilten das Pressematerial, A&B One für Zeitungen, Schlenker Public Relations für Radiosender.

Die Radiobeiträge waren sendefertig, die Zeitungstexte mit Überschrift, Unterzeile und Bildern versehen. Wer wollte, konnte sie eins zu eins verwenden. Und eine ganze Reihe Redaktionen tat das auch.

Warum die Aufregung, könnte man fragen. Veröffentlichen doch tagtäglich Zeitungen, Zeitschriften, Webseiten und Radiosender unkommentiert Werbe- und Pressemitteilungen. Ein ganzes Universum solchen Materials existiert, aus dem sich jeder kostenlos bedienen kann. Verwenden kann es jeder, und viel zu oft geschieht es ohne korrekte Nennung der Quelle und auch ohne, dass die Informationen überprüft wurden.

Recherche ist jedoch unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt, lautet Ziffer zwei des Pressekodex’. Leider kommt diese Sorgfalt im Journalismus gerne mal zu kurz. Zeitdruck und zusammengesparte Redaktionen lassen vielen Journalisten vor allem in kleinen Zeitungen und Hörfunksendern dafür kaum noch Spielraum. Zudem ist es natürlich auch bequem, auf vorgefertigte Texte zurückzugreifen.