Der afghanische Stammesälteste Hadschi Sahir, der an den Verhandlungen beteiligt war, teilte mit, drei Frauen seien in seine Obhut gegeben worden. Er habe sie im Distrikt
Khoqyani in Empfang genommen und dann weiter an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gegeben. Möglicherweise kämen bald fünf weitere Geiseln frei. Nach Polizeiangaben sind die Frauen auf dem Weg nach Ghasni-Stadt. 

Unterhändler Südkoreas und der Taliban hatten tags zuvor eine Einigung erzielt, wonach die Entführer die 19 christlichen Helfer nach sechs Wochen Geiselhaft freilassen wollten. Im Gegenzug soll Südkorea seine 200 Mitglieder der internationalen Schutztruppe Isaf bis Ende des Jahres abziehen und missionarische Tätigkeiten seiner Bürger in Afghanistan unterbinden.

Diplomaten aus Seoul und Vertreter der radikal-islamischen Taliban wollten sich treffen, um die Einzelheiten der Freilassung zu erörtern, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS am Mittwoch unter Berufung auf einen Regierungsbeamten in Seoul. Die Koreaner sollen bei einer Freilassung zunächst zu einem nördlich von Kabul gelegenen Militärstützpunkt in Bagram gebracht werden, wo auch die südkoreanischen Soldaten stationiert seien. Da die Geiseln an unterschiedlichen Orten des Landes untergebracht waren, könne dies nach Aussagen der Taliban allerdings drei bis vier Tage dauern.

Mit dem Schritt, die Gespräche mit den Rebellen an sich zu reißen, hatte sich Seoul nach Ansicht von Beobachtern auf gewagtes und gefährliches Terrain begeben, sich jedoch zugleich unabhängiger von der afghanischen Regierung gemacht. Immer wieder habe man den Taliban erklärt, dass die geforderte Freilassung von Gesinnungsgenossen in afghanischer Haft außerhalb der Macht Südkoreas stehe, sagte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul. Diese Strategie scheine aufgegangen zu sein, mutmaßte der Sprecher.

Doch auch aus Sicht der Aufständischen war die Geiselnahme schon alleine wegen ihrer Medienpräsens ein Erfolg. Der afghanische Präsident Hamid Karsai blieb zwar hart und verweigerte die Freilassung von Taliban-Kämpfern. Doch eroberten die Rebellen immer wieder weltweit die Schlagzeilen und brüskierten die Regierung. Zwei der koreanischen Geiseln erschossen die Rebellen. Bislang mussten die Taliban weder für die Morde noch für die Geiselnahme an sich büßen.

Wenn sie auch ihre Maximalforderung nicht durchsetzen konnten, so dürften die Taliban von der Geiselnahme trotzdem profitiert haben. Beobachter in Kabul halten für wenig glaubhaft, dass Südkorea im Gegenzug für das Leben der Geiseln tatsächlich nur noch einmal bestätigte, dass es seine Truppen abziehen und keine südkoreanischen Missionare mehr nach Afghanistan reisen lassen werde. Der Abzug ihrer 200 Soldaten bis Jahresende war schon vor der Geiselnahme beschlossene Sache.