Das teilte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika nun Präsident Wladimir Putin auf dessen Landsitz bei Moskau mit. Knapp ein Jahr ist seit dem Mord an Politkowskaja vergangen. Die oppositionsnahe Journalistin und Menschenrechtlerin war am 7. Oktober 2006 von einem
Unbekannten hinterrücks erschossen worden, als sie von einem Einkauf in ihre Moskauer Wohnung zurückkehren wollte
. Der Mord hatte weltweit Bestürzung ausgelöst.

Regierungskritiker warfen der russischen Justiz vor, nur halbherzig nach den Mördern zu fahnden. Politkowskaja hatte für die regierungskritische Zeitung Nowaja Gaseta vor allem aus der Teilrepublik Tschetschenien über Menschenrechtsverletzungen durch russische und tschetschenische Sicherheitskräfte berichtet, und sie hatte Präsident Putin öffentlich kritisiert. Sie bezichtigte ihn des "Staatsterrorismus" und beschimpfte ihn wegen seiner Agentenkarriere als "KGB-Schnüffler". Seinen Geheimdiensten warf sie "Menschenraub", Folter und Mord in Tschetschenien vor.

Im Machtkreis des Kreml galt die Frau mit den altmodischen Wollpullovern als Nestbeschmutzerin. Dabei war sie für Russland in etwa das, was der Enthüllungsreporter Seymour Hersh für Amerika ist: unbestechlich, besessen, nach Aussagen von Kollegen auch fanatisch und manchmal sogar tendenziös. Politkowskaja hat versucht, dem postsowjetischen Russland moralische Normen aufzuzwingen.