ZEIT online: Wie funktioniert das „Beobachtungs- und Informationszentrum“ der EU?

Hervé Martin: Wenn ein Mitgliedstaat eine Naturkatastrophe ereilt, die seine Kapazitäten überfordert, kann dessen Regierung um europäische Hilfe durch das „Beobachtungs- und Informationszentrum“ bitten. Das Zentrum registriert alle Anfrage und leitet sie an die anderen Mitgliedsstaaten weiter. Das Zentrum koordiniert dann die Hilfe der Länder und schafft die Hilfen bis an den Ort des Geschehens.

ZEIT online: Wie helfen Sie konkret bei den Bränden in Griechenland?

Hervé Martin: Griechenland hat uns gegen 16 Uhr am vergangenen Freitag um acht Löschflugzeuge gebeten. Das haben wir umgehend an die anderen Staaten weitergeleitet. Frankreich, Italien, Spanien und Portugal haben Löschflugzeuge geschickt, Deutschland, Norwegen und die Niederlande helfen mit Hubschraubern. Inzwischen haben sich zehn Mitgliedsstaaten gemeldet, mit insgesamt 20 Luftfahrzeugen. Dazu weitere Einsatzkräfte, nach denen Griechenland ursprünglich nicht gefragt hatte.

ZEIT online: Sind die Kapazitäten erschöpft?

Hervé Martin: Mit dem aktuellen Einsatz gegen die Waldbrände in Griechenland stoßen wir an die Grenzen der europäischen Möglichkeiten. Falls jetzt eine zusätzliche Nachfrage, zum Beispiel von Italien, kommen würde, dann müsste man Löschflüge aus Griechenland zurückrufen. Das wäre sehr gefährlich für die Lage dort.