Sie brauchte einen kleinen Moment länger, um zu realisieren, was geschehen war: Bundeskanzlerin Angela Merkel sprang mit ungläubigen, weit geöffneten Augen von ihrem Sitz auf, klatschte fast ein wenig kindlich in die Hände und staunte über Panders fulminanten Fernschuss in der 40. Minute. Ihre Freude schien in dem Moment ebenso groß zu sein wie ihre Überraschung.

Nun bot das Freundschaftsspiel gegen England im Wembley-Stadion tatsächlich kaum Überraschendes, zudem galt Deutschland vor der Partie wegen der zahlreichen verletzten Spieler als Außenseiter. Wegen der Ausfälle musste eine nicht eingespielte Mannschaft auf das Feld. Diskussionen um die Form von Torwart Jens Lehmann trugen ebenfalls nicht zum Optimismus bei. 

Bei aller Freude über den 2:1 Erfolg Deutschlands im ersten offiziellen Länderspiel im umgebauten Wembley-Stadion, war der Sieg weniger ein Stärkebeweis der DFB-Elf, als ein Zeichen von Englands Schwäche. Denn wie in den letzten zwei Partien für seinen Club Arsenal London, wirkte auch am Mittwochabend Jens Lehmann nicht sicher. Gerade beim Führungstreffer von Frank Lampard in der 9. Minute agierte der Torwart unglücklich, denn der Ball schlug in der von Lehmann gehüteten Torwartecke ein.

Auch die Befürchtung, dass die Mannschaft, mit Debütant Pander, Jungnationalspieler Trochowski und dem Wiederkehrer Odonkor, nicht harmonisieren könne, traf ein. Es wäre tatsächlich auch zu viel verlangt. Vor allem David Odonkor fand kaum Bindung zum Spiel. Aber auch Christian Pander, der spätere Matchwinner, musste anfangs Lehrgeld bezahlen. Beim Gegentor wurde er zum Opfer seiner Unerfahrenheit, als Richards ihn an der Strafraumgrenze düpiert und die Vorlage zum 1:0 gab.

Dass Deutschland den Rückstand in einen Sieg umwandeln konnte, lag nicht zuletzt am englischen Keeper Robinson, der eine scharfe Flanke Schneiders vor die Füße Kuranyis abprallen ließ. Der Stürmer, der ansonsten wenig Torchancen besaß, musste nur noch den Ball ins Tor befördern.

Ohne Ballack und Frings im Mittelfeld blieben Offensivaktionen zumeist Zufallsprodukte. Eine zwar schöne Kombination in der Hälfte der Engländer führte dann zum 2:1 durch Pander, der damit seinen Fehler aus den Anfangsminuten wieder wettmachen konnte. Doch diese Aktion blieb bis zum Abpfiff das Highlight der Partie, denn Deutschland war forthin nicht mehr in der Lage ein konstruktives Angriffsspiel zu entwickeln. Die spielerischen und organisatorischen Defizite wurden durch Laufstärke und einen beeindruckenden Willen ausgeglichen.