"Frau Merkel hat recht", sagt Franz Müntefering und es ist im anzusehen, dass es ihm ein wenig Mühe bereitet, dazu entspannt zu lächeln. Ganz anders die Kanzlerin. Sie strahlt, sie lacht. Die Sonne scheint über dem Barock-Schlösschen im brandenburgischen Meseberg, und noch bevor die Klausurtagung des Kabinetts am Donnerstag überhaupt begonnen hat, hat Angela Merkel bereits die beiden wichtigsten Botschaften dieses zweitägigen Treffens unters Volk gebracht. Erstens: Es geht Deutschland wieder gut, die Menschen im Lande werden davon profitieren. Und zweitens: Die Parteien der Großen Koalition haben sich wieder lieb. Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber da sich die Bundesregierung fest vorgenommen hat, ein Signal des Aufbruchs von der Klausurtagung ins Land zu senden, strahlt auch der Vizekanzler und Arbeitsminister.

"Die Mehrheit muss am Wohlstand teilhaben können, Aufschwung ist kein Selbstzweck", sagt die Kanzlerin gleich zum Auftakt und damit hat die Christdemokratin die Botschaft benannt, die kein Sozialdemokrat hätte besser formulieren können. Ihrem Vize bleibt deshalb nichts anders übrig als dem lächelnd beizupflichten. "Die Kanzlerin hat recht", sagt er also. "Alles ist so, wie sie gesagt hat. Und so werden wir es machen."

Vergessen der Streit um Mindestlohn und Arbeitslosengeld II, vergessen die Sticheleien zwischen dem Umwelt- und dem Wirtschaftsminister wegen des Programms zur CO2 Reduzierung, vergessen alle Versuche der Koalitionspartner, sich gegeneinander zu profilieren. Die Bundesregierung hatte sich dazu verabredet, auf ihrer Klausurtagung in Meseberg das Klima zu retten, und dabei hat sie offenbar weniger an die Erderwärmung gedacht als viel mehr an die zwischenmenschlichen Beziehungen im Bundeskabinett. Offenbar mit Erfolg.

Prima Klima also in Meseberg. Es ist ja auch ein Ort zum Wohlfühlen. Das Schloss liegt malerisch in der Mark Brandenburg, von der Terrasse können die Minister über einen kleinen See auf Bäume und Felder blicken und einen kleinen Weinberg am gegenüberliegenden Ufer. Und damit auf diesem "Zauberschloss" (Tucholsky) nicht vergessen wird, dass mit dem Aufschwung auch viel Arbeit verbunden ist, hat die Regierung den Journalistentross auf der Baustelle einer Gastwirtschaft auf dem Nachbargrundstück untergebracht. Während also die Kabinettsmitglieder im Schloss ihr strammes Programm abarbeiteten, dreht sich gleich nebenan ein Kran. Nur die Journalisten stehen ziemlich gelangweilt herum, weil sich die Minister entschlossen haben (oder von der Kanzlerin dazu verdonnert wurden), aus der Klausur wirklich eine zu machen und auf Plaudereien mit der Presse zu verzichten. Wenig dringt somit vom Schloss nach außen, kein Streit, keine Durchstechereien. Nur der Regierungssprecher informiert die Journalisten regelmäßig über den Fortgang der Gespräche.

Sie beginnen mit einer allgemeinen Aussprache, bei der es vor allem um Kinderarmut und Afghanistan geht. Anschließend sprechen die Minister über den Fachkräftemangel. Bildungsministerin Annette Schavan hat ein umfangreiches Papier mit vielen Zahlen vorgelegt. Die Minister brauchen Zeit, um es zu studieren, der Zeitplan gerät ein wenig aus den Fugen. Doch dann beschließt die Regierung als Sofortmaßnahme, dass sie den Arbeitsmarkt zumindest ein wenig für ausländische Fachkräfte öffnen wird. So soll es ausländischen Studenten erleichtert werden, nach dem Studium in Deutschland zu arbeiten. Ingenieuren der Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbau aus den osteuropäischen EU-Staaten soll der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt geöffnet werden. Bevor die Tür für Einwanderer jedoch noch weiter aufgeht, bevor etwa die Einkommensgrenzen für ausländische Fachkräfte gesenkt oder ein Punktesystem eingeführt wird, soll erst einmal das deutsche Potenzial ausgeschöpft werden – ein Zugeständnis an die SPD und Müntefering.

Nach den Fachkräften ist das Weltklima dran. Bereits im Vorfeld haben sich Wirtschaftsminister Michael Glos und Umweltminister Sigmar Gabriel weitgehend auf einen Kompromiss geeinigt. 30 Punkte umfasst der Plan, mit dem die Bundesregierung den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 36 Prozent senken will. Damit wurde das Planziel 40 Prozent zwar knapp verfehlt, aber Gabriel sieht noch Reserven, vor allem dann, wenn auch auf EU-Ebene noch ein paar Maßnahmen beschlossen werden.