Am Nachmittag des 22. Februar verließ der neunjährige Mitja den Hort des Kinderhauses "Sonnenhügel" im Leipziger Stadtteil Stahmeln, wo er die Ferienbetreuung besuchte. Er ging zur Straßenbahnhaltestelle der Linie 11 und stieg ein. In der Bahn filmte eine Überwachungskamera den Jungen, wie er auf einem Fensterplatz neben Uwe K. sitzt und lächelt. Um 20.18 Uhr meldete Mitjas Mutter ihren Sohn bei der Polizei als vermisst, doch die Suche mit Hubschrauber und Hunden blieb erfolglos.

Zwei Tage später wird die Leiche des Jungen in der Gartenlaube von Uwe K. gefunden. Ein Gartennachbar hatte den 43-Jährigen auf dem veröffentlichten Foto aus der Straßenbahn erkannt und die Ermittler zu dessen Laube geführt. Die Obduktion ergibt, dass der Junge sexuell missbraucht und erstickt worden ist. Als Todeszeitpunkt wird die Zeit zwischen Donnerstagabend bis spätestens Freitagmorgen 4 Uhr angenommen. Zugleich läuft die Suche mit mehr als 150 Polizisten und einer Reiterstaffel nach Uwe K. an. Gegen den 43-Jährigen wird Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Parallel wird bekannt, dass Uwe K. zwischen 1981 und 1998 bereits fünf Mal wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde . Mehrfach saß er in Haft, zuletzt 1998 für zwei Jahre. Nach seiner Freilassung im Jahr 2000 stand er fünf Jahre unter Führungsaufsicht. Er erhielt unter anderem die Auflage, sich einer ambulanten Sexualtherapie zu unterziehen. Uwe K. arbeitete trotz mehrfacher Verurteilungen wegen Kindesmissbrauchs im Zoo einer Schule im Schkeuditzer Stadtteil Wehlitz und 2001/2002 führte er im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Maurerarbeiten aus.

Am 1. März, sechs Tage nach der Tat, wirft sich der Gesuchte nachts vor eine Straßenbahn in Schkeuditz nahe Leipzig. Er wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und überlebt. Ein Richter verkündet den Haftbefehl. Wegen seiner schweren Verletzungen wird Uwe K. zunächst in einer Leipziger Klinik behandelt, danach kommt er ins Haftkrankenhaus. Rund zwei Monate später wird er ins benachbarte Gefängnis überstellt, wo er besonders beobachtet wird, doch nach Angaben der Vollzugsanstalt verhält sich Uwe K. unauffällig, ohne Kontakt zu anderen Häftlingen. "Er hat sich auf die Haftsituation eingestellt", sagt sein Verteidiger Malte Heise. Gesundheitlich sei sein Mandant wieder hergestellt.

Mitjas Eltern meiden die Konfrontation mit dem Angeklagten. Sie nehmen zwar ihr Recht wahr, als Nebenkläger im Prozess aufzutreten, lassen sich aber von ihrer Anwältin Ina Alexandra Tust vertreten. Ein Grund sei auch, dass sie das zu erwartende Medieninteresse scheuen, sagt die Anwältin: "Sie sind einfach nur froh, wenn es vorbei ist."