«Ich bin verstrickt in Schuld - Schuld gegenüber Schleyer und gegenüber Frau Schleyer», sagte Schmidt der ZEIT in einem großen Interview zum Deutschen Herbst 1977. Gleichwohl verteidigte der heutige Mitherausgeber des Blattes die Entscheidung, den Erpressern der RAF nicht nachgegeben zu haben. Er sei nach der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz 1975 entschlossen gewesen, nie wieder Terroristen im Austausch gegen Geiseln freizulassen.

Schleyer war am 5. September 1977 von Terroristen der RAF entführt und sechs Wochen später ermordet worden, nachdem die Regierung Schmidt sich geweigert hatte, elf RAF-Häftlinge freizulassen. Der Altkanzler betonte, ihm sei in der Zeit, in denen die Polizei nach Schleyer gesucht habe, immer klar gewesen: «Wenn es nicht gelingt, bist du selbst mitschuldig.»

Strauß sprach von Geiseln

Erstmals enthüllte Schmidt auch, was der damalige CSU-Chef Franz Josef Strauß im Krisenstab des Kanzleramts seinerzeit zur Rettung Schleyers vorgeschlagen hat. In mehreren Publikationen zum Deutschen Herbst ist vermutet worden, Strauß habe in Erwägung gezogen, Standgerichte zu schaffen und für jede erschossene Geisel in der entführten Lufthansa-Maschine einen RAF-Häftling zu erschießen.

Schmidt relativierte diese Darstellung. Strauß’ Wortwahl sei „sehr viel vorsichtiger“ gewesen, jedoch hätte sie vielleicht auf dasselbe hinauslaufen können. „Ich meine, dass er gesagt hat: 'Wir haben doch auch Geiseln.' Und nicht mehr als das“, sagte der Altkanzler. Jedenfalls habe er Strauß’ Bemerkung als „sehr befremdlich“ in Erinnerung.

Das vollständige Interview mit Helmut Schmidt können Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT lesen, die am morgigen Donnerstag erscheint