Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigte, dass die Ermittler der SEC sich an diesem Dienstag in Deutschland über die Korruptionsfälle bei dem Elektrokonzern erkundigen wollen. "Das ist ein Anbahnungsgespräch", sagte Schmidt-Sommerfeld, die US-Ermittler hätten um den Termin gebeten. Was im Einzelnen besprochen werden soll, wollte Schmidt-Sommerfeld nicht sagen. Wer an dem Gespräch teilnimmt, sei zudem noch nicht bekannt. Einzelheiten könnten, wenn überhaupt, frühestens am Mittwoch genannt werden, da die Dauer der Gespräche offen sei, sagte Schmidt-Sommerfeld.

Die Zeitschrift Focus hatte berichtet, dass auch die US-Bundespolizei FBI und Vertreter des US-Justizministeriums an dem Treffen teilnähmen. So sei unter anderem eine Zusammenkunft mit bayerischen Ermittlern geplant, das als Vorbereitung auf ein Rechtshilfeersuchen der US-Behörden gilt. Die SEC habe wegen der Korruptionsvorwürfe im Frühjahr eine formelle Untersuchung gegen Siemens eingeleitet, das US-Justizministerium ein Verfahren wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Strafvorschriften. Die Staatsanwaltschaft München rechnet noch im Laufe des Jahres mit der erste Anklage im Siemens-Skandal. Man gehe davon aus, bis dahin mit einem ersten Teilkomplex zu Ende zu kommen, sagte Schmidt-Sommerfeld.

Ein Siemens-Sprecher wollte sich auch zu dem Treffen nicht äußern. "Das ist Sache der Behörden", sagte er lediglich. Ob die US-Ermittler auch bei Siemens selbst vorstellig werden, könne er nicht kommentieren. Siemens hatte bisher von 420 Millionen Euro an dubiosen Zahlungen in der Schmiergeld-Affäre gesprochen. Zuletzt gab es in Medienberichten aber Spekulationen um eine deutliche Ausweitung des Skandals.

Nach Informationen aus dem Unternehmen stießen die Anwälte der Kanzlei Debevoise & Plimpton auch in der Kraftwerkssparte auf dubiose Zahlungen von 250 bis 300 Millionen Euro. Auch hier gingen die Transaktionen bis in die neunziger Jahre zurück. Die Prüfer seien auf eine Vielzahl unerklärlicher Transfers über Liechtenstein und andere ausländische Konten (darunter Abu Dhabi) gestoßen, hieß es unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler in der Süddeutschen Zeitung . Es spreche einiges dafür, dass es dabei nicht um saubere Geschäfte gegangen sei, auch wenn nicht alle Zahlungen automatisch Schmiergeld sein müssten. Insgesamt beliefen sich die fragwürdigen Zahlungen auf eine Summe von mehr als einer Milliarde Euro.

Bisher gab es keine konkreten Hinweise, dass auch die Kraftwerkssparte in großem Stil schwarze Kassen gehabt haben könnte. Auch der Spiegel berichtete, schon 2005 seien im Kraftwerksbereich fragwürdige Zahlungen von fast 190 Millionen Euro über Liechtenstein entdeckt worden. Diese Summe sei laut Konzerndokumenten zwischen 1997 und 1999 über drei Konten geflossen, schreibt das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf vorliegende Papiere. Die Antikorruptionsabteilung der Sparte habe bereits 2005 eine Erlanger Anwaltskanzlei beauftragt, die Zahlungen zu untersuchen. Bis heute sei unklar, wofür sie letzten Endes verwendet worden seien.