Wenige Stunden vor der Wahl eines neuen Staatspräsidenten hat die türkische Militärführung vor politischen Angriffen auf den säkularen Staat gewarnt. Die Streitkräfte seien entschlossen, die Demokratie und die Trennung von Staat und Religion zu verteidigen, sagte Generalstabschef Yasar Büyükanit auf der Internetseite des Generalstabs. Separatisten und Zentren des Bösen versuchten systematisch, die säkulare Grundlage der Türkischen Republik zu zersetzen.

Die Wahl des neuen Präsidenten geht in an diesem Dienstag in die dritte und entscheidende Runde. Aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Ahmet Necdet Sezer ist Außenminister Abullah Gül von der religiös-konservativen Regierungspartei AKP. Im Gegensatz zu den ersten beiden Wahlgängen, in denen im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 550 Abgeordneten nötig war, reicht jetzt die absolute Mehrheit, über die die AKP verfügt.

Im Frühjahr war die Wahl Güls in einem ersten Anlauf gescheitert. Nach Drohungen der Militärführung, die sich als Hüterin der Trennung von Staat und Religion versteht, hatte das Verfassungsgericht den Wahlgang annulliert. Bei Neuwahlen im Juli gelang der AKP mit fast 47 Prozent der Stimmen dann jedoch ein triumphaler Sieg. Gül hat mehrfach versprochen, die Demokratie und die verfassungsmäßige Ordnung in der Türkei schützen.