Zum zweiten Mal nach 2006 ist die auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe in einem großen Geflügelmastbetrieb in Deutschland ausgebrochen. Bis Sonntagabend sollten in dem Entenzuchtbetrieb in Bayern nahe Erlangen alle 160.000 Tiere getötet werden. Das ist die größte vorsorgliche Tötung von Nutztieren, die es in Deutschland je gegeben hat. Eine Gefahr für die Konsumenten gehe von der Vogelgrippe nicht aus, betonte Bayerns Gesundheitsstaatssekretär Otmar Bernhard.

Mit der Keulung der Enten war noch am Samstagabend begonnen worden, unmittelbar nachdem sich der Verdacht auf die hoch ansteckende Variante des H5N1-Virus bei mehreren toten Tieren bestätigt hatte. Die Behörden prüfen nun, ob auch ein Betrieb aus Niedersachsen, von dem die Entenküken stammten, von der Vogelgrippe befallen ist. Zunächst gab es darauf jedoch keine Hinweise.

In einem Stall des Betriebs in Wachenroth, in dem allein 44.000 Mastenten gehalten werden, waren in wenigen Stunden mehr als 400 Tiere verendet. Sie waren als Küken vor vier Wochen aus einem Betrieb in Niedersachsen nach Wachenroth gebracht worden. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems wiesen bei den verendeten Tieren das H5N1-Virus nach. Eine Sprecherin des Verbraucherministeriums in Berlin sagte: "Die Hoffnung besteht, dass das auf diesen Betrieb begrenzt bleibt."

Der Hof bei Erlangen liegt in einem Gebiet, das im vorigem Jahr wegen früherer Vogelgrippe-Fälle zum "Risikogebiet" erklärt wurde. Die Region sei daher besonders intensiv beobachtet und kontrolliert worden, hieß es aus dem Landkreis. Um den Betrieb herum wurde ein Sperrbezirk von drei Kilometern eingerichtet, "wenngleich im entsprechenden Areal seit Auftreten einiger Vogelgrippefälle Anfang des vergangenen Jahres die von der Behörde erlassenen Schutzmaßnahmen bis heute Bestand hatten".

Den betroffenen Hof durfte nur noch Personal für weitere Untersuchungen in Schutzkleidung betreten. Eine Massentötung von Hausgeflügel hatte es zuletzt Anfang Juli in Thüringen gegeben. Damals wurden in Wickersdorf in einem Umkreis von drei Kilometern etwa 1000 Gänse, Enten und Hühner in privater Haltung getötet, nachdem eine Hausgans mit dem H5N1-Virus entdeckt worden war. Voriges Jahr war die Vogelgrippe in einem großen Putenmastbetrieb in Sachsen ausgebrochen.

In mehr als 30 Ländern trat bislang die Vogelgrippe auf, meist waren Wildvögel betroffen. Erst vor Kurzem wurde der Erreger bei Wildvögeln an einem See nahe München bestätigt. Weltweit starben an dem Virus H5N1 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 200 Menschen, allerdings keiner davon in Europa. Die meisten Toten gab es in Asien.