Es war der wohl schlimmste Anschlagsplan bisher in Deutschland – und der größte Erfolg der deutschen Sicherheitsbehörden: Seit Anfang des Jahres hatten sie eine Gruppe von Terrorverdächtigen observiert, seit Monaten wurden in der Hauptstadt Gerüchte über einen großen islamistischen Anschlag kolportiert. Am Dienstag dann schlugen die Ermittler zu und verhinderten damit ein Attentat, das – wenn es nicht vereitelt worden wäre – nach ihren Angaben die Bomben von London und Madrid mit ihren Dutzenden Toten mutmaßlich noch in den grausigen Schatten gestellt hätte. Drei Verdächtige wurden festgenommen, anschließend wurden 41 Objekte in ganz Deutschland durchsucht. Mögliche Mittäter und Unterstützer sollen nun ermittelt werden.

Am Tag danach zeigten sich alle Beteiligten hochzufrieden. Von "einem guten Tag für Deutschland" sprach Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe. Und in Berlin stellte sich ein gut gelaunter Innenminister Wolfgang Schäuble zusammen mit seinem Staatssekretär und früheren BND-Chef August Hanning den Fragen der Journalisten. Schließlich hatten seine Terrorfahnder über Monate hinweg "gute Arbeit" geleistet, wie er lobte.

Was war Schäuble nicht gescholten worden in den vergangenen Wochen und Monaten. Fanatismus wurde ihm unterstellt, die Aushöhlung von Grundrechten wurde ihm vorgeworfen, standhaft weigerte sich die SPD, das neue BKA-Gesetz im Bundestag passieren zu lassen.

Alles vergessen, zumindest für den Augenblick. Denn "an einem solchen Tag" will der Innenminister gar nicht viel spekulieren. Vor allem nicht darüber, was alles hätte passieren können. Schon gar nicht will er an einem solchen Tag die Auseinandersetzung über die von ihm so hartnäckig geforderte Online-Durchsuchung führen. Nein. An einem solchen Tag will er seinen Triumph genießen und ansonsten die Fakten sprechen lassen.

Die wurden fast zur selben Zeit in Karlsruhe von der Bundesanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt der Öffentlichkeit präsentiert, und sie lauten: Wasserstoffperoxid, militärische Sprengzünder und allerlei elektrische Bauteile. Dazu drei mutmaßliche islamistische Terroristen – ein wahrlich hochexplosives Gemisch. Zwei der Festgenommenen sind Deutsche, die zum Islam konvertiert sind, einer ist Türke. Der mutmaßliche Rädelsführer unterhielt enge Kontakte zur fundamentalistischen Szene in Ulm und Neu-Ulm. Diese hatte schon mehrfach im Zusammenhang mit den Aktivitäten islamistischer Terrorverdächtigter in Deutschland Schlagzeilen gemacht.