Die politischen Parteien in Deutschland haben immer weniger Mitglieder, immer weniger Menschen bringen ihnen und ihren Funktionären und Abgeordneten Vertrauen entgegen. Regelmäßig landen Politiker auf den hintersten Plätzen, wenn Demoskopen fragen, welche Berufe  Ansehen und Vertrauen genießen. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor junge Menschen, die sich für Politik interessieren und die es für wichtig halten, politisch aktiv zu sein, statt sich nur ihrer Arbeit und ihrem Privatleben zu widmen. Wir haben einige gefragt, was sie dazu treibt.

Beispielsweise Henning Schürig . Er ist Pragmatiker, kein Idealist. „Ich glaube daran, dass Politik etwas ändern kann, sonst würde ich es nicht machen“, sagt der 25-Jährige. Schürig ist bei den Grünen und sagt, er habe, „definitiv Ambitionen, Politiker zu werden“. Immerhin hat er bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg kandidiert, wenn auch ohne Erfolg. Derzeit aber ist ihm sein Studium wichtiger. Denn bei allem Spaß und Gestaltungswillen empfindet er die Politik doch auch manchmal als frustrierend. Vor allem, weil man bei vielen Menschen als Politiker sofort „unten durch“ sei. Sicher, Politik unterliege Sachzwängen und verspreche zu oft Dinge, die sie nicht halte. Doch sie könne definitiv etwas ändern, davon ist er überzeugt. Natürlich sei es nicht damit getan, ein paar Demos zu organisieren und alles werde gut, sagt Schürig. Doch mit Demonstrationen könne man sich Gehör erkämpfen und dieses dann politisch nutzen.

Schürig weiß, wovon er spricht. Er hat viel Zeit damit verbracht, gegen Studiengebühren zu kämpfen. Nicht ohne Erfolg, wie er findet. „Normalerweise wird durch die Opposition an einem Gesetz kein Wort geändert. In dem Fall aber haben wir erreicht, dass ein paar umgeschrieben wurden. Natürlich war das weniger, als wir wollten und viele hofften. Es war aber mehr, als wenn wir gar nichts gemacht hätten.“

Oft sind es solche kleinen Erfolge, die für diejenigen eine große Rolle spielen, die sich politisch engagieren. Schürig zum Beispiel sagt, es gehe nicht nur darum, Gesetze zu machen. Vor allem im eigenen persönlichen Umfeld könne jeder viel bewirken, dort habe man selbst viel mehr Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Nicht jeder müsse gleich in einer Partei aktiv werden, aber man dürfe sich auch nicht auf sich selbst zurückziehen. „Engagiert Euch, interessiert Euch, diskutiert, macht Politiker auf Eure Anliegen aufmerksam!“, sagt er deshalb seinen Freunden und Bekannten. Schließlich, wie Die Ärzte sängen: „Es ist nicht Deine Schuld, wenn die Welt ist, wie sie ist. Es ist nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Alexandra Kast ist keine Funktionärin, sie will auch nicht unbedingt Politikerin werden. Auch wenn die 29-Jährige zugibt, dass die Vorstellung einen gewissen Reiz habe. Alexandra Kast ist in die SPD eingetreten, weil sie glaubt, dass es eine sinnvolle Möglichkeit ist, auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen. Denn schließlich „leben wir nun einmal in einer Parteiendemokratie.“ „In Parteien läuft vieles schief und ich kann nachvollziehen, warum viele Leute frustriert sind. Aber für mich stand immer die Frage, ob ich mich einmischen will oder nicht. Und ich möchte mich einmischen.“ Sie sagt, ihre Motivation sei der klassische Wunsch, die Welt besser zu machen, und es klingt nicht wie eine Phrase, sondern wie eine schlichte Überzeugung.

Kast arbeitet als Quartiersmanagerin in Berlin daran, das einer der sogenannten Problemkieze der Hauptstadt etwas lebenswerter wird. „Ich wollte nicht einfach nur Geld spenden.“ Es habe ihr auch nicht genügt, in Umweltgruppen mitzumachen, „da geht es nur um spezielle Themen, einzelne Puzzleteile“. „Ich wollte dort sein, wo Dinge entschieden werden, die langfristig wirken und auf die gesamte Gesellschaft.“ Ob sie in einer Partei etwas bewegen könne? „Man ist ein kleines Rädchen im Getriebe und es kann schnell frustrieren, wenn man zu viel erwartet.“ Aber ja, sie habe das Gefühl, Dinge verändern zu können.

Der jungen Berlinerin geht es darum, das Mögliche beizutragen und vielleicht dafür zu sorgen, dass zum Beispiel ein Schwimmbad nicht geschlossen wird. Im übrigen bestehe die Politik ja nicht nur aus den paar exponierten Politikern, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen würden. „Die Mehrheit der Menschen organisiert sich an der Basis und macht keine Karriere. Und sie sind trotzdem politisch aktiv.“