Als ob die Republikaner in den USA nicht genug Probleme hätten,— nun gibt es noch den Fall Larry Craig. Der stramm konservative Senator aus dem US-Bundesstaat Idaho, ein 62-jähriger verheirateter Familienvater, war von einem Undercover-Polizisten auf einer Flughafentoilette dabei erwischt worden, wie er nach homosexuellen Verkehr gefragt haben soll. Craig hat nach einem längeren Verhör eine Strafe von 500 Dollar bezahlt, um die Sache schweigend aus der Welt zu schaffen. Doch Anfang dieser Woche hatte die Washingtoner Zeitschrift Roll Call davon erfahren, seitdem steht der Senator am Pranger der Medien. Fox News zufolge soll das Republican National Commitee heute gedroht haben, ihm die finanzielle Unterstützung zur Wiederwahl zu entziehen und einen Gegenkandidaten zu nominieren. Craig hat bereits seinen Rücktritt bekannt geben.

Craigs republikanische Kollegen können den Senator gar nicht schnell genug verurteilen, viele fordern seinen Rücktritt, darunter der Präsidentschaftskandidat John McCain. Craig musste den Vorsitz mehrerer Ausschüsse abgeben, Mitt Romney, ebenfalls Präsidentschaftskandidat, hat ihn als Vorsitzender für seinen Wahlkampf gefeuert und sein Verhalten "ekelhaft" genannt. Andere Republikaner gaben Spenden zurück, die sie von Craig erhalten hatten. Auch seine Heimatzeitung, der Idaho Statesman , forderte ihn zum Rücktritt auf: Da sich nun Blogger und TV-Talker über den Senator lustig machten und er seine Ämter und seinen Einfluss verloren habe, könne er Idaho nicht mehr in Washington vertreten. Die Zeitung hatte schon zuvor unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, Craig sei homosexuell.

Craig allerdings bestreitet nach wie vor, dass er sich homosexuell betätigen wollte. Die Polizei habe ihm eine Falle gestellt, und er habe nur bezahlt, um die Sache geräuschlos aus der Welt zu schaffen. Inzwischen haben die Ermittler das Tonband des Verhörs veröffentlicht, das zwei Monate nach dem Vorfall stattfand. Darauf räumt Craig ein, dass sein Fuß den Fuß des Polizisten, der in der Kabine neben ihm saß, möglicherweise berührt hat. "Ich bin ein eher breit gebaute Typ", sagt Craig laut der Abschrift. Der Polizist meint nun, dass Craig seine Hand unter der Kabinenwand durchgeschoben habe, um ihm ein Zeichen zu geben. Craig erwidert, er habe nur ein Blatt Toilettenpapier aufgehoben. Der Polizist will Craigs linke Hand gesehen haben, hingegen sagt Craig, es war seine rechte Hand, zumal die Kabine des Polizisten rechts von der seinen war. Daraufhin wirft ihm der Polizist vor, er lüge die Ermittler an (was in Amerika strafbar ist), er könne im Gefängnis landen, wenn er aber unterschreibe und zahle, werde die Polizei dafür sorgen, dass der Vorgang nicht an die Medien gelange. Erstaunlich ist allerdings, dass Craig, ein erfahrener Politiker, keinen Anwalt einschaltete.

Die amerikanischen Zeitungen sind sich einig, dass Craig nicht zu halten ist: "Die Republikaner müssen ihr Haus in Ordnung bringen — auch die Toilette", donnerte das Wall Street Journal . Denn es liege am Fehlverhalten vieler Senatoren und Abgeordneten, dass die Republikaner ihre Mehrheit verloren hätten. Hingegen nannte die New York Times die Kampagne gegen Craig heuchlerisch. In anderen, weitaus schwerwiegenderen Fällen seien keine Rücktrittsforderungen laut geworden: So gebe es eine Ermittlung des FBI gegen den republikanischen Senator Ted Stevens, der einem Handwerker, der sein Haus renoviert habe, einen Auftrag zugeschustert haben soll, Senator David Vitter aus Louisiana stehe auf der Kundenliste der Washington Madam , des Bordells in Washington, das kürzlich Schlagzeilen machte. Hier regten sich die Republikaner nicht auf. Das liege daran, dass Idaho eine sichere Bank sei, wenn hingegen Vitter zurücktrete, könnte sein Sitz an einen Demokraten fallen.

Viele Demokraten feixen über den Vorfall. Denn Craig war einer der Senatoren, die die Sünden von Bill Clinton gegeißelt hatten, überdies tritt er vehement gegen die Schwulenehe ein. Ohnehin haben in den letzten Monaten homosexuelle Fehltritte von Konservativen immer wieder Schlagzeilen gemacht: Da gab es den Abgeordneten Mark Foley, der männlichen Pagen anzügliche E-Mails sandte, Ted Haggard, der Vorstand der National Association of Evangelicals, der sich von einer männlichen Prostituierten bedienen ließ, Bob Allen, republikanischer Abgeordneter in Florida, der bei der Frage nach Oralsex versehentlich an einen Polizisten geriet, und James Guckert alias Jeff Gannon, der einen "Begleit-Service" für Männer betrieb und vom Weißen Haus einen Presseausweis bekam, weil er immer so nette Fragen an George W. Bush stellte. "Als die Nachricht von Senator Craig die Runde machte, forderten manche Republikaner seinen Rücktritt — andere wollten seine Telefonummer haben", spottete der Late-Night-Talker Dave Letterman. Der einzige Republikaner, der wenigstens bloß gegenüber Frauen anzüglich wird, ist Arnold Schwarzenegger.

Aber obgleich sich die Nation in Spott und Häme ergötzt, gibt es einige wenige warnende Stimmen, wie der linke Berkeley Daily Planet : Der schreibt, das "Pennälergeschwätz" über Craig helfe dem Land nicht, zu mehr Verständnis und Akzeptanz zu gelangen, was sexuelles Verhalten angehe. Denn es sei zwar eine Versuchung für Progressive, über Füßeln in der Toilette zu kichern, aber das bringe die Schwulenehe nicht näher — ganz im Gegenteil.