Pakistans Militärherrscher Pervez Musharraf hat acht Jahre nach seinem Putsch keine Freunde mehr. Die USA, die Hauptsponsoren des Generals , drängen ihn, seine Macht mit Benazir Bhutto zu teilen, der Führerin der Pakistan Peoples Party (PPP), der größten säkularen Partei Pakistans. Die zentrale Forderung Bhuttos ist, dass Musharraf seine Uniform ablegt. Erst dann könne er bei den in diesem Jahr anstehenden  Präsidentenwahlen kandidieren. Bhutto behauptet, dass Musharraf ihr das bereits zugesagt habe. Doch Musharraf hat sich dazu bisher nicht geäußert.

Die USA erhoffen sich von einer Machtbeteiligung Bhuttos eine Stabilisierung Pakistans. Denn sie fürchten nichts so sehr als eine Destabilisierung dieses mit Atomwaffen bestückten islamischen Staates. Tatsächlich stehen die Zeichen auf Sturm. Seit Musharraf die Rote  Moschee in Islamabad einnehmen ließ und dabei hunderte Religionsschüler samt ihres fanatischen Lehrers, Abdul Raschid Ghazi, ums Leben gekommen sind, findet Pakistan kein Ruhe mehr.

Fast täglich gehen Bomben hoch. Erst am Dienstag riss ein Selbstmordattentäter in Rawalpindi mindestens 25 Menschen mit in den Tod. In Rawalpindi steht das Hauptquartier der Armee. Musharraf wohnt hier. Der Druck der Islamisten ist größer geworden, gleichzeitig hat die säkulare Anti–Musharraf Bewegung im letzten halben Jahr an Kraft gewonnen. Musharraf hatte im März den unliebsamen Obersten Richter des Landes, Iftikar Chaudry, eigenmächtig entlassen.

Nach monatelangen Massenprotesten, die vor allem von Anwälten getragen wurden, wurde Chaudry wieder in sein Amt eingesetzt. Das war eine große Niederlage für den General. Gleichzeitig wurde den USA klar, dass Musharraf die Kontrolle über einige Gebiete an der Grenze zu Afghanistan verloren hat. Nach Erkenntnissen des CIA sind die pakistanischen Stammesgebiete zur Hauptoperationsbasis für eine wieder erstarkte al-Qaida geworden.

Das mag dann der entscheidende Grund gewesen sein, warum die USA zu einer Öffnung gegenüber Bhutto drängen. Die Frage ist, ob das für die Pakistaner nützlich sein wird.  Bhutto ist keine Heilsbringerin, auch wenn sie sich selbst gerne so sieht. Es darf erinnert werden, dass die Taliban während Bhuttos zweiter Amtszeit (1993-1996) vom pakistanischen Geheimdienst praktisch erfunden worden sind; und es darf daran erinnert werden, dass die Terroraktivitäten in Kaschmir während Bhuttos Amtszeit an Schwung gewannen. Schließlich sollte nicht vergessen werden, dass Bhutto der Korruption angeklagt ist. All dies macht sie bestimmt nicht zu einer  tragenden Säule pakistanischer Demokratie.

Das gilt auch für ihren harten Konkurrenten, Nawaz Scharif, Vorsitzender der Muslim League, der zweiten, großen Volkspartei. In seinen beiden Amtszeiten (1990-1993 und 1997-1999) florierte die ohnehin schon prächtig gediehene Korruption. Wichtiger noch, Nawar Sharif regierte autoritär und er hatte Pläne, die Scharia in Pakistan einzuführen. Sharif taugt daher ebenfalls nicht als Hoffnungsträger für ein demokratisches Pakistan.