Wolfgang Schäuble hat schon recht: Es ist besser, einen Fehler zu korrigieren, jedenfalls besser, als ihn zu Ende zu exekutieren. Noch besser freilich ist es, einen Fehler gar nicht erst zu begehen. Und es gibt bestimmte Fehler, die sind einfach fatal und geben selbst nach einer Korrektur bleibend zu denken.

In der Tat fasste man sich an den Kopf: Mitten in einer Zeit, in der die Politik – an der Spitze eben jener Wolfgang Schäuble – angestrengt darüber nachdenkt, wie man das Netz der Inneren Sicherheit dichter knüpfen kann (und dies auch zu Lasten der geschützten Privatsphäre), wollte der Innenminister den Verkauf großkalibriger Schusswaffen wieder erleichtern. Und dies ausgerechnet an Privatpersonen, die so etwas eigentlich gar nicht brauchen, nämlich an Sportschützen. Dabei war die Altersgrenze dafür nach dem Schulmassaker von Erfurt aus guten Grund von 18 auf 21 Jahre angehoben worden.

Das Vorhaben, dies nun wieder rückgängig zu machen, war unter allen nur denkbaren Gesichtspunkten abwegig. Und wäre es auch nur um den Aspekt gegangen, dass – hätte man den Fehler wirklich bis zum Ende betrieben – man nachträglich hätte behaupten müssen, dass die Anhebung der Altersgrenze seinerzeit sinnlos und leerer Populismus gewesen war.

Wer allerdings behaupten wollte, nach Erfurt sei nichts Derartiges mehr passiert, also könne man die Schwelle wieder senken, der wäre einem logischen Fehlschluss erlegen. Denn er hätte die potenzielle Wirkung mit der gedachten Voraussetzung verwechselt. Tatsächlich aber ist die Zahl der Einsätze von Schusswaffen in Deutschland seitdem gesunken.

Wie auch immer: Dies alles müssen wir nun glücklicherweise nicht mehr im Einzelnen diskutieren. Aber das eigentliche Problem bleibt: Entweder hat sich Schäuble schon so weit von der wirklichen Welt abgekoppelt, dass er nicht erkannte, als wie absurd sein Vorhaben von allen anderen empfunden würde. Oder er hat sein Ministerium nicht so kräftig unter Kontrolle, dass irgendein Beamter nicht derartig aberwitzige Gesetzentwürfe ausbrütet. Aber wer Ministerialbürokratien kennt, weiß, dass es kein Beamter wagen würde, seinem Minister eigenmächtig solche Kuckuckseier unterzuschieben.