Das Haus, in dem die mutmaßlichen Terroristen lebten, ist so unscheinbar wie der ganze Ort Oberschledorn. Ein kleines Fachwerkhaus, davor ein grober Holzschuppen. Es wird seit mehreren Jahren vermietet, vor allem an Touristen aus den Niederlanden. In dem Ferienhaus sollen die Islamisten die zwölf Fässer mit Wasserstoffperoxid gelagert haben, mit dem sie angeblich Bomben bauen wollten. Erinnerungen werden wach an die Bombenleger von Madrid, die sich unmittelbar vor der Verhaftung selbst in die Luft sprengten. Doch die Polizei hatte vor ihrem Zugriff in Oberschledorn die Flüssigkeit durch eine ungefährliche Lösung ersetzt.

Monatelang war die Polizei den drei Männern, zwei Deutschen und einem Türken, auf der Spur. Laut Bürgermeister Heinrich Nolte (CDU) waren die Männer mehrfach in der 900-Seelen-Gemeinde gesehen worden. "Bei einem so kleinen Ort fallen unbekannte Gesichter natürlich auf. Aber das ist eine Ferienregion, deshalb hat sich wohl niemand etwas dabei gedacht." Und wer vermute schon Bombenleger in der Idylle des Hochsauerlandes, fragt er schulterzuckend.

Als Techniker getarnt hatten Polizisten die drei Verdächtigen in den vergangenen Tagen überwacht. Am Dienstagnachmittag griffen mehrere hundert Beamte unter Führung der GSG 9 dann zu. Laut Bürgermeister Nolte lief der Zugriff "hochprofessionell": "Zwei Männer wurden gefasst, einer konnte zunächst flüchten, der wurde aber auch noch gefasst."

Friedewald Dickel war bei der Gartenarbeit, als er die Festnahme der Terror-Verdächtigen fast hautnah miterlebte. "Plötzlich waren überall Leute. Da wurde sofort alles rundum dichtgemacht", sagt der 49-Jährige. Dutzende von Beamten in Schutzkleidung schwärmten aus und besetzten fast jede Ecke seines Anwesens, das etwa 100 Meter von dem Ferienhaus entfernt liegt. Der flüchtende Verdächtige sei nur wenige Meter weit gekommen. "Der lag sofort auf der Erde", sagt Dickel.

Sein Sohn André machte am Dienstagmittag gerade seine Mathematik- Hausaufgaben. Unvermittelt sei die Straße durch viele Fahrzeuge blockiert worden. "Das waren 30 bis 40 Autos", sagt der 15-Jährige. Die letzten Sekunden vor dem Zugriff seien lautlos gewesen. "Keine Sirene, kein Blaulicht", erinnert sich der Schüler, der später einen Schuss hörte. "Es war besser als in einem amerikanischen Krimi und besser als Hausaufgaben sowieso."

"Ich war völlig verdutzt, als ein Mann in einem blauen T-Shirt plötzlich über meinen Zaun kletterte", erinnert sich Bernd Padberg. "Er wurde von zwei Männern verfolgt und die waren dann auch schon wieder über den nächsten Zaun." Dort wurde der dritte Verdächtige überwältigt. Beim Gerangel um eine Polizeipistole löste sich dann ein Schuss. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Genau diese Stelle suchten die Beamten am Mittwoch noch mit Metalldetektoren ab.