Die Haushaltsdebatte gilt gewöhnlich als einer der Höhepunkte im Parlamentsjahr. Schließlich geht es hier ums Ganze, um die in Zahlen gegossene Politik der jeweiligen Regierung. Vor allem die Generaldebatte um den Kanzleretat am zweiten Tag nutzen Regierung und Opposition gerne, um ihre grundsätzlich gegensätzlichen Positionen darzustellen. Für die Beobachter ist das in der Regel eher langweilig, sie kennen die Argumente meist zur Genüge von anderen Gelegenheiten. Und so achten sie statt auf die Inhalte mehr darauf, wie sich die politischen Protagonisten präsentieren, ob sie gut in Form sind und wie viel Beifall und Unterstützung sie aus den eigenen Reihen bekommen. Und wer gegen wen einen Punkt macht. Haltungsnoten werden verteilt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste Hauptrednerin an diesem Mittwoch machte es sich diesmal recht einfach. Sie malte ein rosiges Bild von der Lage des Landes und lobte die Arbeit der großen Koalition und ihrer eigenen Regierung. Die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung sei "eine große Erfolgsgeschichte". Deutschland sei gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft und habe wieder allen Grund zur Zuversicht. So selig war die Kanzlerin, dass sie versprach, jeder solle noch mehr an diesem Aufschwung teilhaben. Wenn es "nachhaltig vertretbar" sei, werde man den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung auf unter 3,9 Prozent senken.

Fest zusagen wollte Merkel das jedoch nicht. Denn trotz aller verbreiteten Zuversicht ist sie offensichtlich nicht sicher, dass solche Geschenke auch finanzierbar sind. Es würde nur Vertrauen zerstören, sagte sie, wenn Versprechen gegeben und später nicht gehalten würden.

Das hinderte die Koalition jedoch nicht, noch andere Großzügigkeiten schon einmal zu verteilen. So wünschte sich SPD-Fraktionschef Peter Struck, dass das Bafög doch nicht nur um die geplanten fünf, sondern lieber gleich um zehn Prozent erhöht wird. Auch fand der frühere Verteidigungsminister, man müsse den Bundeswehrsoldaten Anerkennung für ihre Einsätze zollen und ihnen mehr Sold geben.

Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion, war sofort einverstanden. "Ja, wir werden bei der Bafög-Erhöhung etwas machen", stimmte er seinem SPD-Kollegen bei. Wenn auch vielleicht in zwei Stufen, "um es dem Finanzminister leichter zu machen", fügte er leicht spöttisch hinzu. Denn den stellt schließlich die SPD, und der angesprochene Peer Steinbrück war bisher bei solchen Wünschen eher zugeknöpft. Auch den Wehrsold wolle man gerne um zwei Euro pro Tag erhöhen, das wäre eine "schöne Anerkennung", sagte Kauder.