Hirn ist richtig teuer. Es verbraucht zehnmal mehr Energie aus täglicher Nahrung als andere Organe. Doch die Investition in die Versorgung ist gut angelegt. Das Gehirnt ist es nämlich, das den Menschen einzigartig macht: Es ermöglicht abstraktes Denken, Sprache, schnelles Lernen und Bewusstsein. Außerdem die Fähigkeit sich in andere hinein zu versetzen und deren Verhalten vorherzusagen. Tiere können all das nicht. Selbst unser naher Verwandter, der Menschenaffe, nur in sehr begrenzter Form.

Dennoch sind sich Affe und Mensch in ihren kognitiven Fähigkeiten sehr viel ähnlicher, als gemeinhin angenommen. Das zeigen aufwändige Studien an Kleinkindern, Schimpansen und Orang-Utans, deren Ergebnisse Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig jetzt im Wissenschaftsjournal Science veröffentlichten: Ging es darum, die physische Welt zu verstehen, konnten die Affen durchaus mit den Menschen mithalten.

Hoffnungslos unterlegen waren sie den durchschnittlich 30 Monate alten Kindern erst bei Aufgaben, die soziale Intelligenz und Lernen testen. Demonstrierte ein Versuchsleiter, wie man ein Plastikrohr öffnet, um darin steckende Nahrung herauszuholen, imitierten die Kinder das sofort. Die Affen kamen nicht darauf, beim Menschen abzugucken. Sie versuchten, das Rohr zu zerstören oder den Inhalt mit den Zähnen herauszuziehen.

Andere Tests überprüften, ob Gesten oder Blickrichtung richtig gedeutet, und verborgene Absichten oder Täuschungsmanöver durchschaut wurden. Die Kinder waren stets überlegen. Der Aufwand der Experimente war enorm. Etwa 100 Schimpansen und 30 Orang-Utans wurden zu Probanden gemacht - mehr als die meisten Zoos beheimaten. Dazu kamen 100 Kleinkinder - mehr als so manche Kita fasst.

Die Studie soll eine historische Frage in der Kognitionsforschung beantworten: Ist die Überlegenheit des Homo sapiens beim Denken einfach nach der Formel "Masse gleich Klasse" zu erklären? Schließlich ist das Menschenhirn dreimal größer als das eines Affen.

Vertreter der so genannten G-Hypothese (general intelligence) argumentieren: Menschen sind den Tieren überlegen, weil ihr größerer Denkapparat in allen Bereichen mehr leistet. Dadurch können sie schneller Lernen, weiter voraus planen, symbolisch denken, haben ein besseres Gedächnis und können sprechen.