Es scheint leicht geworden zu sein, unliebsame Webseiten in Deutschland sperren zu lassen. Das könnte man zumindest angesichts des schier unglaublichen Falls denken, der seit dem vergangenen Wochenende Wellen schlägt: der Eschborner Telefon- und Internetanbieter Arcor hat drei Webseiten für seine Kunden sperren lassen, nachdem eine Unterlassungserklärung ins Haus flatterte. Wenn einer der laut Arcor gut 2,2 Millionen Kunden nun auf Domains wie YouPorn zugreifen will, passiert das, was auch beim Cybersex am wenigsten erwünscht ist – nichts.

"Es handelt sich dabei um Hardcoreseiten ohne Altersverifikation" sagt Michael Peter, Leiter der Presseabteilung bei Arcor. Ein anderer Anbieter von Onlinepornografie soll gegen die Zugänglichkeit gerichtlich vorgegangen sein, bei Arcor sah man sich angesichts einer "strafbewehrten Unterlassungserklärung" zum Zensurschritt verpflichtet. Ein deutscher Anbieter von Pornografie, der an die relativ strengen Vorschriften des deutschen Rechts gebunden ist, sieht die Internetprovider in der Pflicht, den Zugang zu deutschen Rechtsmaßstäben nicht genügenden ausländischen Seiten zu sperren. Rechtlich sieht sich Arcor nun auf der sicheren Seite, ein Sonderkündigungsrecht ergebe sich aufgrund der AGB für die Kunden nicht. Man wolle nun den weiteren Gang des Verfahrens abwarten, so Peter.

Finanziell dürfte der Internetprovider sogar Glück haben: darüber, wieviel Datenverkehr frei zugängliche Onlinepornofilmseiten verursachen, liegen zwar keine Statistiken vor. Doch die Menge an Abrufen eines jeden einzelnen Filmchens auf YouPorn beträgt oft mehrere Hunderttausend - davon sicherlich ein Teil auch Arcor-Kunden. Hier spart der Provider nun sogar Geld.

Technisch betrachtet ist die Arcor-Sperrung eher symbolisch zu nennen: der Provider fängt Anfragen auf die Einträge der drei betreffenden Pornoanbieter im Adressverzeichnisrechner ab, dem sogenannten DNS (Domain Name Server). Allerdings können auch Arcorkunden jederzeit einen anderen Namensserver benutzen, sodass der Zugriff wieder funktioniert. Anleitungen für derartige Ausweichmanöver sind häufig auf Farsi, Arabisch oder Mandarin verfasst - mit gutem Grund, denn es sind vor allem die Diktaturen dieser Welt, in der derartige Hilfstechniken nötig sind um sich nicht bevormunden zu lassen.

Bereits mehrfach hat das deutsche Medienrecht dazu geführt, dass Provider Inhalte sperren mussten. Die Wirkung dieses Vorgehens kann dabei als Null angesehen werden - umgehen lassen sich derartige Eingriffe ohne großen Aufwand auch von technischen Laien. Insbesondere um links- und rechtsradikale Inhalte, Bombenbauanleitungen und ähnliches wird seit Jahren gestritten. Was all diese Diskussionen zeigen: die deutsche Rechtslage ist bei Jugendschutz, Extremismus und Straftaten international weitgehend isoliert.

Statt sich der Realität anzupassen und auf die Medienpädagogik zu setzen, wird versucht, das Internet mittels geringst wirksamer technischer Filter "durchzuregulieren" - ein hoffnungsloser Versuch, der nur unter weitgehenden Eingriffen in Funktionalität und Freiheit des Informationszugangs möglich ist. Wenn künftig jede Abmahnung dazu führt, dass Provider Webseiten für ihre Kunden sperren, wird das Internet in Deutschland ein ganz anderes Gesicht bekommen. Eines, das nicht wünschenswert ist.