Luftaufnahmen waren früher oft strenggeheime Dokumente, die der Öffentlichkeit nicht so einfach zugänglich gemacht wurden. Vor mehr als vierzig Jahren haben solche Aufnahmen sogar einmal den Kalten Krieg befeuert: Die Kubakrise im Jahr 1962 wurde ausgelöst, nachdem die Amerikaner die karibische Insel überflogen und fotografiert hatten. Auf den Fotos entdeckten sie Abschussrampen für russische Raketen. Heute kann dank Google Earth und Microsoft Virtual Earth jeder zum Spion werden und die Welt aus der Vogelperspektive erkunden. Städte, Straßen und Häuser sind im Internet-Zeitalter manchmal nur ein paar Klicks entfernt. Diese Erfahrung mussten vor wenigen Wochen die Mitarbeiter des Pentagons in Washington machen.

Da tauchten nämlich pikante Bilder eines Atom-U-Boots der "Ohio-Klasse" im Internet und in amerikanischen Zeitungen auf. Eines der U-Boote wurde in voller Größe für Microsofts Virtual Earth in einem Trockendock im Militärhafen von Bangor, im Nordwesten der USA, fotografiert. Zu sehen: Der streng geheime, sieben-gliedrige Propeller-Antrieb des Tauchboots. Die Propeller der "Ohio-Klasse" werden normalerweise bei Reparaturen an den U-Booten entweder abmontiert oder mit Tüchern bedeckt, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen. Denn das Design ist für den Antrieb entscheidend. Der sorgt dafür, dass die 170 Meter langen Atom-U-Boote lautlos durchs Wasser gleiten können.

"Das ist eine hochsensible Technologie", sagte der amerikanische Militär-Experte Nathan Hughes der Navy Times . "Es war ein großer Fehler, dass der Propeller entdeckt wurde." Der US-Autor Norman Friedman, der sich auf Marine-Bücher spezialisiert hat, griff den Software-Konzern Microsoft an, den Hersteller von Virtual Earth . "Im Internet denken viele, es gibt keine Regeln." Die Foto-Enthüllung helfe am Ende am ehesten Terroristen. Bill Gates ist es zwar inzwischen relativ egal, wie viele Milliarden er auf seinem Konto hat, aber als Terror-Helfer wollte er nicht dastehen: Sein Software-Konzern hat umgehend eine Stellungnahme veröffentlicht: In Zukunft werden man geheime Areale auf Wunsch verpixeln.

Ein Vorschlag, auf den das Pentagon vielleicht zurückkommen wird. Denn auch dort sieht man den Fehler bei Microsoft. "Es ist nicht unsere Aufgabe, solche Informationen zu zensieren", sagte ein Sprecher des Pentagons der Navy Times . Bisher seien Zensuren aber auch nicht nötig gewesen. Aufgefallen waren die enthüllenden Fotos dem Amerikaner Dan Twohig, der im Internet nach Häusern in der Nähe des Militärhafens suchte. Er veröffentlichte die Entdeckung umgehend in seinem Blog. "Damit wollte ich zeigen, wie verantwortungslos zum Teil mit solchen Informationen umgegangen wird", sagt Twohig.

Die Luftbild-Enthüllung ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Nach einem Bericht der britischen BBC hatte sich im April bereits die indische Regierung über den Internet-Atlas Google Earth beschwert. Militärische Stützpunkte, Regierungsgebäude und nukleare Forschungsstationen seien im Netz sichtbar gewesen. Im Juli wurde das Bild eines chinesischen U-Boots der neuen "Jin-Klasse" veröffentlicht - bis dahin war selbst unter Experten umstritten, ob das U-Boot wirklich existiert. Weniger staatstragend ist dagegen, dass es bei Google Earth mehrere Fälle gab, in denen nackte Menschen zu sehen waren .