Am 16. September 1920, einem Donnerstag, parkte der italienische Einwanderer Mario Buda in New York einen Pferdewagen an der Ecke Wall Street und Broad Street. Es war die Zeit der Wirtschaftskrise. Erster Weltkrieg, Inflation und Arbeitslosigkeit hatten nicht nur viele Amerikaner verunsichert, sondern auch eine radikale anarchistische Szene wachsen lassen, gegen die die Regierung mit Gefängnisstrafen und Deportation vorging. Viele der Gefährten Budas waren in die Sowjetunion abgeschoben worden oder saßen im Gefängnis, darunter Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti.

Buda sah sich als ihr Rächer. Um 12.01 Uhr, die Glocken der nahen Trinity-Kirche hatten gerade aufgehört zu schlagen, explodierte der mit Sprengstoff und Eisenschrott voll gepackte Wagen in einem riesigen Feuerball. Wie Schrapnells schossen glühende Metallteile und Scherben zerberstender Fenster durch die Straße und zerfetzten 40 Menschen, manche bis zur Unkenntlichkeit. Mehr als 200 wurden verletzt.

Ein mittelloser Einwanderer hatte mit von einer Baustelle gestohlenem Dynamit, Schrott und einem alten Pferdewagen das große Amerika in seinem Herz getroffen und bis dahin unbekannten Terror verbreitet. Mario Buda hatte die Autobombe erfunden.

Heute, fast 100 Jahre später, ist die Autobombe die billigste, effektivste und gefährlichste Waffe von Terroristen. Unauffällig, anonym und brutal. Charles Krauthammer, Kolumnist der Washington Post , nannte sie gar "die Atomwaffen des Guerillakrieges".

Am 19. April 1995 parkte in Oklahoma City ein Lieferwagen vor dem Murrah Federal Building, direkt vor den Fenstern des Kindergartens. In dem Wagen, den der Golfkriegsveteran Timothy McVeigh dort abgestellt hatte, befanden sich 2,4 Tonnen eines Gemisches aus Kunstdünger und Nitromethan, einem Kraftstoff, der im Motorsport verwendet wird. Als der als ANNM bekannte Sprengstoff detonierte, tötete er 168 Menschen, beschädigte 312 Gebäude und erzeugte eine Druckwelle, die von Seismografen als ein Erdbeben der Stärke 6,0 auf der Richterskala registriert wurde. Wie das amerikanische Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) anschließend errechnete, hatte die Ladung die Sprengkraft von 1500 Kilogramm Dynamit.

Am 4. September 2007 gegen 14.30 Uhr stürmten Mitglieder der Antiterroreinheit GSG9 ein Ferienhaus im Sauerland und nahmen Fritz Martin G., Adem Y. und Daniel Martin S. fest, die gerade dabei waren, aus Wasserstoffperoxid Sprengstoff für Bomben zu mischen. Die Männer hatten alles, was sie für einen Anschlag benötigten: militärische Zünder aus Syrien, drei Kleinbusse aus Frankreich und aus Pakistan das Wissen, sie richtig einzusetzen. Die Menge an Grundstoffen hätte ausgereicht, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke anschließend, um die Sprengwirkung von 550 Kilogramm TNT zu erzeugen.