Jorgo Chatzimarkakis ist nicht gerade ein bedeutender Politiker. Er sitzt zwar im Bundesvorstand der FDP und im Europaparlament. Ansonsten ist er aber noch nicht sonderlich aufgefallen. Das könnte sich nun ändern. Denn sein Geistesblitz, Blau-Gelb und Grün zusammenzuführen , was ja auch farblich gut passen würde, verblüfft nicht nur. Er hat durchaus einiges für sich.

Eine solche Fusion zu einem "großen Projekt der politischen Mitte in Deutschland", wie es Chatzimarkakis anpreist, würde nicht nur helfen, die allmählich doch recht unübersichtliche Parteienlandschaft zu ordnen. Sie würde auch das Regieren künftig leichter machen. Statt über solch schwierige Konstellationen wie eine Ampel- oder Jamaika-Koalition mit jeweils gleich zwei Parteien verhandeln zu müssen, könnten Union und SPD 2009 um einen einzigen mittelgroßen Partner buhlen, um eine Alternative zur ungeliebten Großen Koalitionen zu haben.

Auch inhaltlich passen FDP und Grüne, da hat Chatzimarkakis ganz recht, besser zusammen, als man es auf den ersten Blick meinen sollte. Auch mancher Mittelständler, der brav sein Kreuz bei den Liberalen macht, fürchtet sich nämlich vor der Globalisierung und dem Klimawandel. Er hat nichts dagegen, wenn in seinem Mercedes künftig ein Hybrid-Motor brummt, wenn er ihn nur weiter von der Steuer absetzen kann, und er ist auch nicht unbedingt ein glühender Anhänger von Atomkraftwerken, besonders nicht in der Nähe seines Häuschens.

Umgekehrt sind auch die Grünen längst kein Bürgerschreck mehr, sondern weit bürgerlicher geworden, als es ihnen vielleicht lieb ist. Sie haben mittlerweile die bestverdienenden Wähler, die sich - ähnlich wie die der FDP - wenig soziale Sorgen machen müssen und sich stattdessen um den Erhalt der Umwelt sorgen. Sie glauben ebenfalls nicht in erster Linie an staatliche Lösungen und sind auch für Steuersenkungen, vor allem, wenn es dem eigenen Konto hilft und noch genügend "Staatsknete" übrig bleibt für ihre ökologischen und sonstigen Lieblingsprojekte.

Überdies verstehen sich die Grünen genauso wie die Liberalen als "Reformmotor" und als bürgerrechts-liberale Partei, was die FDP seit Langem nicht mehr so recht ist. Kurz: Bei einer Fusion der beiden scheinbar so ungleichen Parteien könnte man durchaus, wie der FDP-Vorständler, von einer "Wiedervereinigung des deutschen Bürgertums" sprechen, einer Verbindung des blau-gelben "Altbürgertums" mit dem grünen "Neubürgertum". Tja, gäbe es da nicht noch ein paar Haken.

Zum Beispiel in Form der Parteivorsitzenden. Denn für die Grünen, von den Restlinken bis zu den Ultrarealos, ist Guido Westerwelle schlechthin der neoliberale Gottseibeiuns und eine fast sichere Garantie, dass auch eine Ampel oder ein Jamaika-Bündnis schwerlich zueinander finden wird. Umgekehrt verkörpert die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth in den Augen der meisten Liberalen jene Multikulti-Körner-Ideologie, die sie zutiefst verabscheuen. Von tiefen programmatischen Differenzen in den Fragen etwa der Kernenergie, der Schulpolitik oder radikaler Steuersenkungen ganz zu schweigen.

Gleichwohl sollten FDP und Grüne den Gedanken aufgreifen. Vielleicht wächst hier doch am Ende zusammen, was zusammengehört: die Bürger und die einst abgefallenen Bürgersöhne und -töchter. Die anderen Parteien könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Dass die SPD und die Linke eigentlich zusammengehören, ist für viele ihrer Anhänger und Mitglieder ohnehin klar. Und wird nicht auch schon lange darüber geschrieben und gesprochen, dass sich CDU und SPD immer ähnlicher werden, dass die christdemokratische Kanzlerin Angela Merkel sozialdemokratische Politik betreibe und die SPD mit den Schröder'schen Reformen eigentlich CDU-Positionen umgesetzt habe? Warum machen sie dann nicht aus der Großen Koalition gleich eine Große Partei, die CDU/CSU/SPD+Linke? Als Opposition stünde ihr als einzige Partei dann Blau-Grün gegenüber, die Wähler hätten endlich wieder eine klare Wahl. Schluss mit dem ständigen Parteiengehader! Die Deutschen lieben ohnehin die große politische Harmonie.

Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Vielleicht bekommt es nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Demokratie gut, wenn es starke Konkurrenz gibt und ein möglichst breites Angebot, aus dem man wählen kann. Und vermutlich ist es deshalb auch besser, wenn FDP und Grüne erst mal weiter in der Opposition um die besseren und überzeugenderen Konzepte ringen. Irgendwann, vielleicht schon 2009, können sie ja dann probieren, ob sie in einer Dreier-Koalition zusammenpassen. Das wäre ja auch schon mal was.