Wenn Lukas Podolski grinst, lacht sein ganzer Kopf. Es gibt wenige Fußballer, die ihr Gesicht so breit und so unschuldig zu einem Freudenausdruck verziehen können wie er. Wäre er noch etwas jünger, könnte  "Poldi" glatt nicht nur für den DFB, sondern auch auf der Kinderschokoladen-Packung werben.

Auch Oliver Bierhoff ist gut gelaunt. "Das wäre doch gelacht", sagt der Manager der Nationalmannschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Rumänien an diesem Mittwochabend in Köln und lächelt. Das wirkt zwar nicht so echt wie bei Podolski, aber es entspricht der Stimmung im ganzen Team. In der Nationalmannschaft sind in diesen Spätsommertagen alle gut drauf. Ausgenommen höchstens Michael Ballack, der sich mit seinem Verein FC Chelsea und seinem verletzten Knöchel herumplagt und deshalb weder beim Joga-Training noch bei den Aufnahmen für einen neuen Adidas-Werbespot dabei sein konnte. Aber auch ohne den Kapitän rechnet Bierhoff damit, dass das Stadion gut gefüllt sein wird und die Spieler gemeinsam mit den Zuschauern ein großes Fest feiern. 

Die Rolle des Partykönigs dürfte Lukas Podolski gehören. Nach viermonatiger Verletzungspause feierte der Kölner, der elf Jahre beim FC kickte, bevor er zu den Bayern nach München wechselte, im EM-Qualifikationsspiel gegen Wales sein Comeback. Zu einem Tor reichte es zwar noch nicht, aber er signalisierte: Ich bin wieder da. Am Montag, als Joachim Löw die Aufstellung für das Rumänien-Spiel noch nicht öffentlich kundgetan hatte, verkündete Podolski bereits, das er im neuen EM-Trikot von Anfang an spielen werde. Neben ihm werde der Kölner Patrick Helmes auflaufen. "Und die Torwart-Frage wird auch noch geklärt", sagte er den staunenden Journalisten.

Inzwischen folgte Joachim Löw der Prophezeiung seines Stürmers: Im Tor bekommt Timo Hildebrand für den angeschlagenen Jens Lehmann eine Bewährungschance. Der ehemalige Stuttgarter ist beim FC Valencia derzeit nur Ersatz und soll so Spielpraxis bekommen. Davor laufen in der Abwehr Manuel Friedrich und Christoph Metzelder im Zentrum sowie Arne Friedrich und Marcel Jansen auf den Außenpositionen auf. Im Mittelfeld wird der beste Spieler des Wales-Spiels, Thomas Hitzelperger, erneut von Bastian Schweinsteiger unterstützt. Der Rückkehrer Bernd Schneider und Simon Rolfes von Bayer Leverkusen komplettieren den Mittelraum. Und vorne im Sturm entschied Löw sich tatsächlich für die "Kölner Lösung": Der aktuelle Köln-Spieler Patrick Helmes soll gemeinsam mit dem ehemaligen Podolski für Tore und Stimmung im Rhein-Energie-Stadion sorgen.

Bei der Präsentation der Aufstellung lobte Löw die "Charakterstärke" und "Gewinnermentalität" seiner Mannschaft. Diese weichen Faktoren: Einstellung, Selbstbewusstsein und Ausstrahlung sind tatsächlich das Besondere im deutschen Team. Da kommen zwei Stürmer aus der zweiten Reihe: Der eine, 23 Jahre, spielt bei einem Zweitligisten, hat in dieser Saison bislang nur ein Tor geschossen; der andere, 22 Jahre, ist bei Bayern München Reservespieler und hat nach monatelanger Verletzung erst zwei Profi-Spiele bestritten. Und doch prophezeien beide, Helmes und Podolski, gegen Rumänien zu gewinnen, gut zu spielen und Tore zu schießen. Sie äußern das so, dass es glaubwürdig klingt.

Seit Klinsmanns und Löws Amtsantritt haben sich nicht nur die Ergebnisse und Leistungen der Nationalmannschaft verbessert, auch ihr kollektives Selbstvertrauen basiert inzwischen auf einem festen Fundament. Es ist davon auszugehen, dass die Spieler sich auch von den Rumänen nicht wird erschüttern lassen. Vor drei Jahren gewannen die Rumänen noch mit 5:1 gegen Deutschland. Rudi Völler musste damals nach der Blamage in Bukarest viel Kritik einstecken.