An jubelnde Profi-Fußballer, die nach einem Tor das Kreuz ihrer Goldkette küssen oder gen Himmel danken, hat man sich gewöhnt. Christlich gläubige Spieler zeigen dies gern den Fans, vor allem die zahlreichen Samba-Kicker aus Südamerika, die sich auch außerhalb des Platzes oft in Bibelkreisen zusammenschließen. In letzter Zeit häufen sich aber auch die Glaubensbekenntnisse muslimischer Profi-Fußballer. Ob Franck Ribery von Bayern München, Berkant Göktan von 1860 München oder Adil Chihi vom 1. FC Köln – sie alle bezeichnen sich als gläubige Muslime. Sie alle bekennen sich dazu, ihr Leben nach dem Koran auszurichten.

Von diesem Donnerstag an könnte das allerdings - mal wieder - zum Problem werden. Dann beginnt der Fastenmonat Ramadan. Muslime dürfen in dieser Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen oder trinken. Doch Ausdauerläufe, Vereinstraining und Bundesligaspiele stehen für die muslimischen Fußballer trotzdem auf dem Programm. Wie lässt sich das alles vereinbaren ohne nennenswerte Leistungseinbrüche?

Viele muslimische Fußball-Profis haben ihren eigenen Weg gefunden, sich durch den Fastenmonat zu kicken. Der 26-jährige Deutsch-Türke Berkant Göktan fastet zum Beispiel überhaupt nicht. "Ich habe das noch nie gemacht", sagt er. Schließlich sei dieses Phänomen "auch eher in der Türkei verbreitet als hier". Dort allerdings sei es Gang und Gebe, dass Fußballer radikal den ganzen Tag über fasten würden.

Tatsächlich aber gibt es auch in Deutschland Profis, die die Fastenregeln radikal befolgen. Bielefelds Angreifer Abdelaziz Ahanhouf zum Beispiel erklärt, warum er sich ganz streng an das Fastengebot hält: "Ich möchte später ins Paradies, da mache ich doch keine Ausnahme." Also entweder ganz oder gar nicht fasten? Der neue Bayern-Star Franck Ribery zeigt, dass es auch einen Mittelweg gibt.  "An freien Tagen werde ich fasten. Wenn ich spiele, dann nicht", sagt er.

Was schon für die Spieler ein heikles Thema ist, interessiert natürlich auch die Trainer. Schließlich sollen ihre Spieler immer Höchstleistungen bringen – da passt ein Fastenmonat nicht so recht ins Bild. Thomas Doll etwa sagte zu seiner Zeit als Hamburger Coach einmal, für Fußballer gebe es für den Ramadan "eine Ausnahmeregelung". Sein Duisburger Trainerkollege Rudi Bommer interpretiert die islamischen Glaubensregeln ähnlich: "Wenn es möglich ist, sollte man die Fastenzeit auf die Länderspielpausen verlegen. Das lässt der Koran zu."

Ob der Koran das wirklich zulässt, ist jedoch umstritten. Entscheidend dafür ist Vers 185 der zweiten Koran-Sure, der Ausnahmeregeln für das religiös motivierte Fasten nennt: Nach gängiger Koran-Interpretation gelten Ausnahmen für Reisende, kranke Menschen, schwangere Frauen, kleine Kinder oder körperlich schwer Arbeitende. Doch ob auch Profi-Fußballer zu den "schwer Arbeitenden" zu zählen sind, interpretiert jeder ein wenig anders. In muslimischen Gesellschaften trainieren und spielen die Fußballer jedenfalls oftmals erst nach Sonnenuntergang. Der Augsburger Stürmer Momo Diabang holte sich deshalb einmal Rat bei einem Imam in seinem Heimatland Senegal, der ihm gesagt haben soll: "Wenn der Job, von dem du lebst, es nicht zulässt, dass du fastest, ist es in Ordnung, wenn du es lässt."