Von dieser Gefahr weiß auch die Große Koalition. "Die Daten, die in der Welt sind, können nicht mehr aus der Welt geschafft werden", räumt Bulmahn ein. Das könne man nachträglich nicht mehr regeln. Jedoch würden die Geräte immer besser und die Auflösung immer höher. Und damit wachse auch die Menge an Informationen, die Satelliten über jeden Einzelnen sammeln könnten. "Und diesen Bereich kann man noch regeln."

Die Firma Infoterra, die den neuen deutschen Satelliten lenkt und vermarktet, weist denn auch darauf hin, dass der selbst bei geschlossener Wolkendecke gestochen scharfe Fotos mit einer Auflösung von einem Meter liefern werde. Das könne schon relevant für die Sicherheit sein. Schließlich könne man auch alle paar Stunden aktuelle Daten liefern, und nicht nur viele Jahre alte wie Google.

Allerdings gilt das Gesetz nur für in Deutschland ansässige Betreiber und hier lebende Personen. Es ist, wie Dennis Schultz von Google Germany bei einer Anhörung vor dem Ausschuss des Bundestages kritisch anmerkte, "eine Insellösung".

Bulmahn jedoch sagt, die Insel werde bald viel größer. Denn auch in Frankreich und Großbritannien würden ähnliche Regelungen diskutiert. Deutschland sei in Europa nur vorneweg. Die USA und Kanada hätten sie schon beschlossen.

Die USA sind im Übrigen auch ein Grund für das geplante, etwas zahnlose Gesezteswerk. Die Regierung in Washington verlangt nämlich von Ländern, die Bauteile für Satelliten aus den USA importieren wollen, genau solche Regelungen. Das sei keine Verpflichtung, sagt Bulmahn, jedoch gebe es die "klare Erwartung" der amerikanischen Regierung, dass sie eingeführt würden. Sicher ebenfalls, um die eigene Technologie zu schützen.

Nun könnte das neue Gesetz wenigstens im Sinne des Datenschutzes sinnvoll sein. Wer schließlich möchte sich schon identifizierbar und nackt im Garten liegend auf einer Internetseite wiederfinden? Leider jedoch wird dieser Punkt durch das Vorhaben gar nicht berührt, bemängelt Detlef Walter vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz. Er plädiert daher dafür, den Datenschutz bei Geodaten in einem eigenen Gesetz zu regeln.