Laura Mansfield aus dem US-Bundesstaat South Carolina hat es wieder einmal geschafft, Osama bin Laden auszutricksen. Die 50-jährige, die aus Angst vor islamistischen Terroristen ein Pseudonym trägt, spürte am Dienstagmorgen irgendwo in der Welt des globalen Internets die seit Tagen angekündigte Videobotschaft des Al-Qaida-Chefs auf und vermasselte ihm damit den großen Auftritt. Denn pünktlich zum 6. Jahrestag der verheerenden Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington wollte sich der oberste Terrorist wieder einmal an die Weltöffentlichkeit wenden und die Attentate vom 11. September 2001 preisen. Den genauen Zeitpunkt der Ausstrahlung seiner Botschaft aber wollte bin Laden selbstverständlich selber bestimmen.

Doch das gelingt ihm und den Computerspezialisten des internationalen Al-Qaida-Netzwerkes immer weniger. Denn unter Internet-Freaks vor allem in Amerika ist ein Wettlauf darüber entstanden, wer wohl zuerst eine verschlüsselte Video-Ankündigung von bin Laden & Co entdeckt und – dies ist natürlich besonders wichtig – auch die Bilder findet. Laura Mansfield hat dabei oft die Nase vorn, schon mehrere Male hat sie den richtigen Riecher für die versteckten Videobänder gehabt. Aber auch andere sind erfolgreich. Vergangene Woche stellte das SITE Institut die neuesten Bilder von bin Laden ins Internet. Seitdem rätselt alle Welt, warum der einst graue Bart des Saudis schwarz geworden ist. Hat er ihn getönt oder ist es falsches Haar und der Terroristenchef läuft inzwischen glatt rasiert herum?

Die Nachrichtenagenturen freuen sich über diese Hilfe privater Internetschnüffler, verschafft ihnen die frühzeitige Aussendung doch hohe Aufmerksamkeit und einen Wettbewerbsvorteil. Auch die Geheimdienste und andere Sicherheitsorganisationen bedienen sich inzwischen dieser Dienste. IntelCenter zum Beispiel brüstet sich damit, etliche Regierungsstellen auf der Kundenliste zu haben. "Wir sind eine der ersten Quellen für dieses Zeug", sagte IntelCenter Gründer Ben Venzke der Washington Post.

Natürlich verdienen einige mit ihren Suchaktionen inzwischen gutes Geld. Doch darüber reden sie nicht gerne. Sie stellen sich lieber als vaterlandsliebende Bürger dar, die ihre Fähigkeiten nach dem Schock des 11. Septembers in den Dienst Amerikas stellen. Ihr Argument: Wer mit der frühen Veröffentlichung von Videobotschaften den Zeitplan der Terroristen durchkreuzt, verstört diese und verhindert überdies, dass al-Qaida & Co sich so präsentieren können, wie sie wollen.

Was Laura Mansfield bei ihrer Internetrecherche umtreibt weiß man nicht genau. Es mag die Sorge um die Sicherheit ihres Landes sein, aber auch ein gewisser Kick. "Man muss ständig auf der Suche sein", sagt die fließend Arabisch sprechende Frau aus South Carolina, "denn das Video befindet sich vielleicht nur für 15 Minuten an einem über das Internet zugänglichen Ort. Bist du nicht zur rechten Zeit dort, hast du deine Chance verpasst."