Nationaler Terrorismus: Der Paragraf wird außerdem noch auf einen ganz anderen Bereich ausgeweitet. Obwohl das Ziel erklärtermaßen der "internationale Terrorismus" ist, steht in Paragraf 4a des Entwurfs: "Es [das BKA] kann im Rahmen dieser Aufgabe auch Straftaten verhüten, die in § 129a Abs. 1 und 2 des Strafgesetzbuches bezeichnet und dazu bestimmt sind, die Bevölkerung auf erhebliche Weise einzuschüchtern, eine Behörde oder eine internationale Organisation rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt zu nötigen (...)."

Der genannte Paragraf 129a beschäftigt sich jedoch ganz allgemein mit der Gründung einer terroristischen Vereinigung und wurde vornehmlich geschaffen, um solche in Deutschland zu verfolgen. Diesen " Home-grown -Terrorismus" aber haben die zuständigen Länderbehörden ganz gut im Griff, wie nicht zuletzt die Verfolgung der RAF zeigte. Warum er nun auch zu den Aufgaben des BKA gehören soll, ist nicht ganz einsichtig. Es entsteht der Eindruck, dass die Beamten generell dazu eingesetzt werden sollen, Straftaten zu verhüten.

V-Leute: In Paragraf 20g des Entwurfes heißt es, das BKA dürfe als besondere Mittel der Datenerhebung Personen einsetzen, "die nicht dem Bundeskriminalamt angehören und deren Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt Dritten nicht bekannt ist (Vertrauensperson)". Solche V-Leute, die keine Angestellten des Staates, sondern im Zweifel auch Verbrecher sind, gehören eigentlich zum Repertoire der Geheimdienste. Sie werden zwar auch bisher schon vom BKA genutzt. Wie problematisch ihr Einsatz aber vor allem gegen politische Gruppierungen ist , hat das Verbotsverfahren gegen die NPD gezeigt, das an ihnen scheiterte.

Richtervorbehalt: Der Entwurf lockert auch die Kontrolle von Eingriffen in Grundrechte – obwohl als Beruhigung ständig kommuniziert wird, Gerichte würden alles überwachen. Doch bei jedem der neuen Instrumente steht der Satz: "Bei Gefahr im Verzuge kann die Anordnung (...) durch die Abteilungsleitung/den Präsidenten des Bundeskriminalamtes getroffen werden. Soweit die Anordnung nicht binnen drei Tagen durch das Gericht bestätigt wird, tritt sie außer Kraft." Bis zu drei Tage lang also können Wohnräume abgehört, kann rastergefahndet oder können Bundestrojaner versandt werden, ohne dass eine unabhängige Instanz Sinn oder Unsinn der Aktion überprüft.

Diese Praxis hält auch im normalen Polizeirecht, in dem es ebenfalls um Gefahrenabwehr geht, langsam Einzug. Sachsen und Berlin beispielsweise haben solche Regelungen schon  eingeführt. Zwar gibt es in fast allen Ländern einen Richter vom Dienst, der rund um die Uhr für eilige Genehmigungen erreichbar ist. Trotzdem wollen Sicherheitsbehörden nicht immer auf diesen angewiesen sein, da es Situationen geben kann, in denen sie sehr schnell handeln wollen. Rechtsexperten halten das für einen Trend, der zwar der Praxis geschuldet ist, aber eine gefährliche Grauzone eröffnet, in der Kontrolle umgangen oder ausgeschaltet wird.

Benachrichtigung: Ebenso wird eine Pflicht gelockert, der letztlich jede Behörde unterliegt, nämlich Bürger über Aktionen gegen sie zu informieren. Im Falle des BKA-Gesetzes aber soll es eine erhebliche Einschränkung geben: Solange eine Ermittlung, das Leben einer Person, bedeutendes Hab und Gut oder der Staat durch die Benachrichtigung gefährdet sind, unterbleibt sie. Erst nach einem Jahr, im Falle des Großen Lauschangriffs nach sechs Monaten, muss ein Gericht die Rückstellung überprüfen. Außerdem kann auch nach dem Ende aller Ermittlungen davon abgesehen werden, dies den Betroffenen mitzuteilen. Im Zweifel für immer.