Die amerikanische Popsängerin Britney Spears hat in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich zu blamieren. Unrühmliche Schlagzeilen haben Nummer-eins-Hits ersetzt. Von Trennungen, Drogen und Klinikaufenthalten war die Rede. Fast konsequent, dass auch ihr Comeback-Versuch bei den MTV Video Awards ein Desaster wurde. Im viel zu knapp geschnittenen, schwarzen Pailletten-Bikini fehlten Britney auf der Bühne Tanzschritte und Worte. "Spears’ Beinahe-Nackt-Auftritt" sei der "am wenigsten gelungene Comeback-Versuch seit Boxer Axel Schulz vor neun Monaten im Ring zu Boden ging", höhnt die Süddeutsche Zeitung . Die MTV Video Awards hätten einen Tiefpunkt erreicht. Als das Gerücht die Runde machte, Spears wolle die Emmy-Verleihung für eine Wiedergutmachung nutzen, gierte nicht nur die Skandalpresse nach einem neuen Fehltritt. Spears machte der Meute einen Strich durch die Rechnung: Sie blieb der amerikanischen Filmpreisgala am vergangenen Wochenende fern, wie die Netzeitung berichtet.

Wenn schon Mittzwanzigerinnen kläglich an ihrem Comeback basteln, was ist dann von den Rückkehrversuchen alter Poprecken zu halten? The Police reden wieder miteinander. Sie stehen sogar wieder gemeinsam auf der Bühne, um Roxanne , Every Breath You Take und andere Unvermeidlichkeiten unter die Leute zu bringen. In Hamburg starteten sie ihre Deutschland-Tournee. Ulrich Stock besuchte das Konzert für ZEIT online und hatte eine "geisterhafte Erscheinung". Die Frankfurter Rundschau und die Welt hingegen waren begeistert von den wiedervereinten Polizisten.

Mit Spielfreude und Distanz näherten sich The Police ihrem Werk, schreibt Martin Scholz in der FR . "Dass dieses Comeback ein Triumph ist, hat nicht nur mit dem Können der Musiker zu tun, sondern auch damit, dass sie ihre alten Songs noch singen können, ohne rot zu werden." Das Finale sei grandios gewesen: "In einem zerdehnten I Can’t Stand Losing You animiert Massenbeschwörer Sting 40000 Hanseaten zum Mitjodeln (…). Roxanne und So lonely sind einfach zum Heulen schön."

Ähnlich erfreut äußert sich Michael Pilz in der Welt : "The Police verteidigt ihre Wiederkehr entschieden anders als die unzähligen Zombies aus den Siebzigern und Achtzigern, die auf die Absatzkrise am CD-Markt mit Konzerten reagieren, die sie möglichst originalgetreu und rücksichtsvoll gestalten. The Police ist heute eine andere Band als 1977 oder 1986, und das zeigt sie auch. Sie war damals gescheitert an Stings harmoniesüchtiger Diktatur. Erst heute fügt sich seine Band zum Trio, in dem jeder jedem seiner Lieder etwas antun darf."

Beachtlich findet Pilz neben der Rückkehr von Police auch das 33. Album der Boogierocker Status Quo . Warum nur? Bereits der Plattentitel sei anrührend: In Search Of The Fourth Chord . "Das klingt nach Proust, nach dem Heiligen Gral, zumindest nach Indiana Jones." Das Geheimnis, das Status Quo umwehe, sei Folgendes: "Wie hat es die Band geschafft, von jedem Szenekult verschont zu bleiben? Nie war jemand postironisch unterwegs im Status-Quo-T-Shirt, stattdessen brüsten sich schon Teenager mit Motörhead und AC/DC. Aber das Beharren auf einer vor vielen Jahren kultivierten Form wirkt auch bei Status Quo beachtlich. Ob sie sich wie auf dem Cover-Album Riffs zuletzt selbst Klassiker der Rockkunst anverwandeln, von The Clash, Elvis Costello und den Kinks. Oder ob sie nun wieder 13 eigene Stücke spielen, die wie jedes ihrer eigenen alten klingen. Es läuft immer auf das ewig unterschätzte Original hinaus: Heads Down No-Nonsense Boogie . Dreieinhalb Akkorde."

Über dreieinhalb Akkorde kann Herbie Hancock vermutlich nur lächeln. Was er seit den späten fünfziger Jahren musikalisch in Szene gesetzt hat, ist weitaus komplexer. Er hat mit Miles Davis gespielt, sich der Avantgarde zugewandt, um danach Popmusik zu machen. Im SZ -Interview mit Willi Winkler spricht er über Erleuchtung. In der Musik gelte nur ein Gebot: "Hör auf dein Herz." Musik handle nicht von Musik, sondern vom Leben. Ebenso wie die Religion. Er sei sein ganzes Leben lang neugierig gewesen, sagt er. "Ich wollte immer wissen, wie alles funktioniert und warum." Auch in der Musik sei er Experimenten gegenüber nie abgeneigt gewesen. "Als wir immer avantgardistischer wurden, kostete mich das richtig Geld. Wir erreichten kein großes Publikum, aber darauf kam es mir nicht an, denn ich musste genau das tun. Ich brauchte die Erfahrung, ich wollte etwas ausprobieren. Und irgendwann hatte ich davon wieder genug und das Gefühl, ich müsste erneut was Neues anfangen. Diese Avantgarde machte keinen Spaß mehr."