Wenn zwei Menschen zur selben Zeit etwas scheinbar Ähnliches tun, dann entsteht gewiss ein Eindruck, aber noch nicht notwendigerweise ein Zusammenhang. Hatten also Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Innenminister Wolfgang Schäuble etwa im Rahmen einer gemeinsamen Strategie konzertiert gehandelt, als sie ihre weithin als skandalös betrachteten jüngsten Äußerungen taten?

Eher wohl nicht – aber dennoch entsteht eben durch die Duplizität der unterschiedlichen Fälle nach und nach der Eindruck gewollter obrigkeitlicher Verunsicherung zum Zwecke einer schärferen Sicherheitspolitik.

Nun aber Fall für Fall.

Der Fall Jung : Wenn unser Verteidigungsminister verrät, er werde – so ein von Terroristen entführtes Flugzeug etwa auf eine Stadt zu stürzen droht – auch ohne Rechtsgrundlage zum Flugzeugabschuss schreiten (mit vielen toten Passagieren, aber weniger Toten am Boden, so soll man mitdenken), dann lässt sich dazu zweierlei sagen.

Erstens: Ein Gesetz, das dieses möglich machen sollte, war von der rot-grünen Koalition vorbereitet, vom Bundespräsidenten unter Bedenken unterschrieben und vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt worden.
Zweitens: Auf die Frage "Was, wenn?" gibt es derzeit keine juristisch klare Antwort.
Also lässt man das Flugzeug auf die Stadt niedergehen?
Drittens: Da es für solche exorbitanten Fälle keine Verwaltungsanweisung geben kann, sondern im Falle eines Falles nur eine tragische Lage für alle aktiv Verantwortlichen und alle passiv Beteiligten – da es im Übrigen auch sehr auf die genaue Lage des Falles ankommt und auf allfällige Möglichkeiten, der Katastrophe irgendwie auszuweichen, ist es moralisch wie politisch einfach töricht, im Vorwege für sich selber ein simples Verhaltensmuster vorherzusagen, als ob dann alles klar wäre.