Das friedliche Bild der frommen Männer, die mit vor der Brust zum Gebet gefalteten Händen in Endlosschleife religiöse Verse rezitieren, trügt. Die Mönche sitzen nicht mehr in ihren Klöstern und helfen Gläubigen, Meriten für das Jenseits zu sammeln. Sie marschieren zu Tausenden entschlossen gegen das Regime. Vor politischer Einmischung schreckten sie noch nie zurück. Jetzt lehren sie die Militärjunta das Fürchten.

Denn anders als die Dissidenten, die der Sicherheitsapparat immer gleich brutal niederknüppelt, sind die Mönche in der myanmarische Gesellschaft unantastbar. "Mönche gelten als Söhne Buddhas, keiner wagt gegen sie vorzugehen", schreibt das fachkundige Online-Journal BurmaDigest . "Sie sind die Wächter des Buddhismus." In dem tief religiösen Land sind 90 Prozent der Menschen gläubige Buddhisten. Auch die höchsten Generäle versuchen, sich das Wohlwollen der Klöster stets durch devote Gesten und großzügige Spenden zu sichern.

In einer kleinen Machtdemonstration verweigerten die Mönche den Verantwortlichen des Militärregimes vergangene Woche die Chance, sich mit guten Taten Sporen zu verdienen. Sie drehten kurzerhand die Almosenschalen um, mit denen sie sich ihren täglichen Unterhalt zusammenbetteln müssen, wenn einer vom Regime etwas hineinlegen wollte. Das myanmarische Wort für "Boykott" lautet wörtlich übersetzt: "Die Almosenschale umdrehen."

In den vierziger Jahren standen die myanmarischen Mönche auch beim Widerstand gegen die britischen Kolonialherren in der ersten Reihe. "Wir haben die Engländer angegriffen, damit sie gingen", erzählte der angesehene, heute 90 Jahre alte Mönch Sayadaw in einem Interview mit dem US-Sender Radio Free Asia. Als Märtyrer für Myanmar ging der Mönch U Wisara in die Geschichte ein, der damals nach einem Hungerstreik im Gefängnis starb. Auch bei den Protesten 1988 waren die Mönche dabei. Das Regime schlug den Aufstand brutal nieder. Unter dem schätzungsweise 3000 Opfern waren zahlreiche Mönche.

Wie viele der schätzungsweise 400.000 Mönche jetzt wieder offen mit dem Militärregime brechen wollen, ist schwer zu sagen. Unklar ist auch, wer die Männer in den roten Roben tatsächlich sind. Es gibt in Myanmar Berufsmönche und sogenannte Novizen. Jeder Mann sollte sich mindestens drei Mal im Leben vorübergehend einem Orden anschließen: In der Pubertät, vor der Hochzeit und beim Tod der Mutter. Nicht ausgeschlossen, dass Aktivisten gemeinsam den Zeitpunkt jetzt für einen Aufenthalt im Kloster wählten.

Am Anfang der Proteste waren vergangene Woche fast nur junge Männer zu sehen. Inzwischen finden sich in den Kolonnen der Marschierenden alle Altersklassen. Die Staatszeitung Licht von Birma behauptete vergangene Woche, auf den Straßen seien "falsche" Mönche unterwegs. Der Popularität der Männer in den Safranroben tut das keinen Abbruch. "Mönche sind die höchste moralische Autorität", sagt Soe Aung von der Exilgruppe Rat für ein Vereintes Myanmar in Thailand dem Sender ChannelNewsAsia. "Wenn sie eine führende Rolle einnehmen, folgen die Menschen ihnen."