Die Bild -Zeitung ruft den Lohnskandal aus und alle machen mit. Nur leider an der falschen Stelle. Weshalb der eigentliche Skandal des Montags darin liegt, dass Bild mit der schreienden Titelzeile das wahre Problem verdeckt: Dass viele Arbeitnehmer den Aufschwung nur verzögert spüren und Langzeitarbeitslose fast gar nicht. Stattdessen spielt das Blatt jenen in die Hände, die sagen, so schlimm sei es doch gar nicht mit den Löhnen. In diesem speziellen Fall muss man leider zugeben: Sie haben recht.

Zur Sache: Bild berichtet an diesem Montag, die Nettoverdienste der Arbeitnehmer seien im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Das Blatt beruft sich auf eine „neue Statistik des Sozialministeriums“. Nach ihr liege der sogenannte Nettorealverdienst (nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen und bei Berücksichtigung der Preisentwicklung im vergangenen Jahr) „nur noch“ bei 15.845 Euro im Jahr. Das seien 1320,42 Euro im Monat. „Zum Vergleich: 1986 lag das Durchschnittsnetto mit 1315,40 Euro/Monat schon knapp auf heutigen Niveau“, wettert das Blatt. Woran das liege? „Der Staat greift dreister in die Tasche! Die Unternehmer geizen mehr! Die Teuerungsrate überholt die Lohnentwicklung!“

Viel Falsches und ein wenig Richtiges. Zuerst zu dem, was stimmt: Schon seit einigen Jahren wächst die Teuerungsrate schneller als die Lohnentwicklung. Das ist zu bedauern, aber keine neue Erkenntnis, sondern längst bekannt und ein wichtiges Argument der Gewerkschaften in jeder neuen Gehaltsrunde.

Bezogen auf die Unternehmer könnte man da vielleicht von Geiz sprechen. Früher hieß das allerdings auch in der Bild- Zeitung „ Lohnzurückhaltung“ . Sie hat dem Land, wenn es auch schmerzlich war, darin geholfen, seine wirtschaftliche Schwäche der vergangenen Jahre zu überwinden.