Über das Dilemma, in dem das Militär Birmas steckt und warum die aktuellen Sanktionen gegen die Diktatur so wenig helfen: Ein Interview mit Dr. Marco Bünte, Birma-Experte am Institut für Asien-Studien in Hamburg


ZEIT online:
Können die Demonstrationen in Birma die Herrschaft der Militärdiktatur beeinflussen?

Marco Bünte: Das ist momentan die große Unbekannte, mit Spekulationen muss man sich da zurückhalten. Bis jetzt hat das Militärregime jeglichem Druck von außen wie von innen widerstanden. Selbst vermeintliche Streitereien innerhalb des Militärs, bei denen man gehofft hatte, dass sich die Generalität in unterschiedliche Richtungen entwickeln könnte und sich die Möglichkeit politischer Reformen eröffnen, haben sich als Chimäre erwiesen: Das Militär ist die stärkste Institution des Landes.

ZEIT online: In was für einem Zustand präsentiert sich das Militär heute?

Bünte: Nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 wurde es noch mal sehr stark modernisiert. Es ist im ganzen Staatsapparat präsent, alle relevanten Stellen sind mit Militärs besetzt, die Geheimdienste arbeiten nach ihrem Willen. Das Militärregime ist stark. Vor diesem Hintergrund sind die Chancen für ein Ablassen des Militärs von der Herrschaft gering.

ZEIT online: Hat das Militär demnach die Option, aufgrund seiner starken Durchsetzung des Staatsapparates, einfach ein Ende der Demonstrationen abzuwarten?