Da ist es wieder, das ganz große Thema: Der amerikanische Traum. Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst. In jedem Individuum steckt ein Held. Dieser Glaube ist umso stärker, je mehr das Vertrauen in die führenden Köpfe, in die Politik des Landes zu versiegen scheint. Denn, so ließe sich folgern, wenn sie nicht in der Lage sind, die Welt zu retten, liegt dies eben in der Verantwortung des Einzelnen. Und während sich das Kino gerade, wie in Toronto und Venedig gesehen, auf die Kritik an der amerikanischen Irak-Politik konzentriert, schwenkt die Kamera im Fernsehen auf die Träume und Fähigkeiten des gewöhnlichen Bürgers.

In der US-Serie Heroes , dem erfolgreichsten Neustart unter den amerikanischen TV-Serien im vergangenen Jahr, werden Durchschnittsmenschen zu Superhelden: Sie können fliegen, die Zeit anhalten, Gedankenlesen oder durchs Feuer rennen. Dabei ist es nicht mehr ein Einzelkämpfer, ein Jack Bauer ( 24 ), der die Nation rettet. Es sind viele, ein Dutzend Helden, die die Fähigkeit haben, Probleme zu lösen. Sie kommen nicht im Superman-Umhang noch im Latexkostüm, sondern bleiben auch als Held ganz alltäglich und unscheinbar.

Das TV- und Filmfestival "Cologne Conference" (26.9. bis 2.10.) in Köln zeigte in einer Kultnacht die ersten beiden Folgen der ersten Staffel der NBC-Serie, die vom 10. Oktober an immer mittwochs auf RTL II laufen soll. In den USA lief jüngst die zweite Staffel an. Für den Emmy Award, den wichtigsten US-Fernsehpreis, wurde die komplexe Serie gleich acht Mal nominiert, unter anderem in den Kategorien "Beste Serie" und "Beste Regie". Die Helden gingen allerdings am Ende (Verleihung war am 16. September) dann doch leer aus. Gewinner war hier wieder einmal The Sopranos .

Wenn Heroes einen aktuellen Trend widerspiegeln sollte, dann den, dass es wieder um den gewöhnlichen Menschen von nebenan und dessen Traum vom Heldendasein geht, im Großen wie im Kleinen. Während die Superhelden die Welt retten, versuchen die Figuren in anderen bei der Cologne Conference präsentierten Serien ihre eigene kleine Welt nicht aus den Fugen geraten zu lassen. Dabei ist aber auch das Scheitern dysfunktionaler Helden inbegriffen.

In Paul Haggis, ebenfalls auf der Cologne Conference präsentierten Serie The Black Donnellys (NBC) erkämpfen sich irische Einwandererkinder ihr Recht im Revier gegen die italienische Mafia. Und in The Riches (FX Network) stiehlt sich eine irische Familie durchs Leben und stößt dabei auf das Glück.

Wie die L.A. Screenings, eine Messe, auf der US-Produzenten ihre neuen Serien ausländischen Programmeinkäufern schmackhaft machen, gezeigt hätten, gäbe es dieses Jahr keinen bestimmten Trend, sagte Martina Richter, Direktorin der Cologne Conference. Es wird alles mögliche versucht. Es würde inhaltlich und visuell viel experimentiert, weshalb auch das Fernsehfestival in diesem Jahr besonders auf den Look von TV-Formaten schaute.