Als Chuck Miller im Herbst 2006 ein Haus kaufen wollte, ahnte er schon, dass in Long Branch etwas nicht stimmte. „Unter 400.000 Dollar fand man da überhaupt nichts“, erinnert er sich an die frustrierenden Maklerbesuche. Klar: Das 30.000 Einwohner-Städtchen liegt hübsch an der Atlantikküste von New Jersey. New York ist nur eine Autostunde weit entfernt, und am Strand entsteht gerade eine Promenade. Doch andererseits ist die Arbeitslosigkeit hoch, es gibt viele Einwandererfamilien, und das durchschnittliche Einkommen liegt mit 38.000 Dollar kräftig unter dem Durchschnitt des Bundesstaates.

Chuck Miller schlug am Ende trotzdem zu, zahlte 420.000 Dollar für ein kleines Einfamilienhaus. Nahm einen Hypothekenkredit mit 30 Jahren Laufzeit auf. Zog in den ockerfarbenen Holzbau mit den 121 Quadratmetern. Zusammen mit den Nebenkosten muss er jetzt Monat für Monat 2900 Dollar aufbringen. Da hat er noch Glück gehabt, denn er hat einen sogenannten fixed-interest -Kredit gewählt. Das heißt, dass seine Zinsen auf 6,25 Prozent festgeschrieben sind. Sie werden nicht steigen, wenn die Notenbank ihren Leitzins hebt, so wie es bei vielen anderen Arten von Hypothekenkrediten der Fall ist.

Solche Verträge haben manchen seiner Nachbarn in der vergangenen Zeit das Genick gebrochen, sie zum Auszug, Verkauf, manchmal zur Zwangsversteigerung gezwungen. Einige Straßen sind gesäumt von Schildern, auf denen „"Zu Verkaufen“" oder „"Zu Vermieten"“ steht. Am vergangenen Wochenende wurden 38 Häuser in Long Branch zwangsversteigert, im ganzen Bundesstaat waren es mehr als 2000.

Die Millers sind wegen der Arbeit an die Atlantikküste von Long Branch gekommen. Frau Miller arbeitet als Sprachtherapeutin im Krankenhaus und bekommt dort einen festen Lohn. Herr Millers Einkommen hängt stärker von den Schwankungen der allgemeinen Wirtschaftslage ab. Er verkauft am Highway 36 Pontiacs, die Sportmarke von General Motors. Das ist nicht mehr so lukrativ wie noch vor ein paar Monaten. „Die Leute wollen jetzt kleinere, billigere Autos“, sagt er. „Kein Wunder. Die Krankenversicherung wird immer teurer, die Benzinpreise steigen, und jetzt müssen viele für die Hypotheken draufzahlen“.

Wer Verkäufer wie Chuck Miller reden hört, der versteht, warum die Wirtschaftsflaute in den USA als eine reine Immobilienkrise begann, sich nun aber zu einer echten Konjunkturkrise auswachsen könnte. Chuck Millers Lohn hängt nur von den verkauften Autos ab – und verglichen mit 2005 wird sein Jahreseinkommen in diesem Jahr um ein Viertel geringer sein. Er rechnet mit 45.000 Dollar. Miller wird auch jetzt noch jeden Monat um die 40 Fahrzeuge los. Aber früher „hat er 160 Dollar für jeden Verkauf bekommen, jetzt sind es oft nur noch 80 Dollar“. Je kleiner das Fahrzeug, desto geringer seine Kommission.

Das Geld sitzt nun mal nicht mehr so locker bei Millers Kunden– und folglich auch nicht mehr bei den Millers selber. Statt den Urlaub wie früher in Kalifornien zu verbringen, besuchten sie in diesem Jahr ihre Kinder. Und in Rente gehen „werde ich sicher nicht in den nächsten zehn Jahren“, sagt der 56-Jährige.