Pakistan befindet sich seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Hauptfigur ist Pervez Musharraf, Präsident Pakistans und Armeechef in Personalunion. Musharraf ist am heutigen Samstag zum dritten Mal zum Präsidenten gewählt worden. Jedoch nur inoffiziell. Am Freitag entschied das Verfassungsgericht in Pakistan, dass die Wahl stattfinden kann. Gleichzeitig aber urteilten die Richter, dass vorerst kein Ergebnis verkündet werden darf.

Trotzdem sieht es so aus, als werde Musharraf sein Ziel erreichen. Denn der Präsident wurde vom Parlament und den vier Regionalparlamenten gewählt. Dort hat er eine komfortable Mehrheit. Laut einem inoffiziellen Ergebnis stimmte die Mehrzahl der 1170 Abgeordneten für ihn. Das zumindest sagte ein Mitglied der Wahlkommission. Alle Abgeordneten der Oppositionsparteien boykottierten die Abstimmung.

Die Oppositionsparteien — säkuläre wie religiöse — haben monatelang versucht, diese Wiederwahl zu verhindern. Ihrer Auffassung nach muss Musharraf zuerst als Armeechef abtreten und sich dann einem neu gewählten Parlament stellen. Beides hat Musharraf abgelehnt, aus guten Gründen. Nach Neuwahlen hätte er vermutlich keine Mehrheit im Parlament gehabt. Außerdem fürchtet er, mit der Uniform den wesentlichen Pfeiler seiner Macht zu verlieren. Musharraf beharrte darauf: Wiederwahl im alten Parlament und in Uniform.

Trotz dieser scheinbar unnachgiebigen Position hat Musharraf eine ganze Reihe von Konzessionen gemacht, die den Schluss nahe legen könnten, dass er einen ehrenvollen Abschied sucht. Zunächst hat er versprochen, dass er – wenn er denn wiedergewählt wird – bis zum 15. November seine Uniform ablegen wird. Einen potentiellen Nachfolger als Armeechef hat Musharraf erst vor wenigen Tagen bestellt. Es ist General Asfhaq Kiyani.

Gleichzeitig bot Musharraf seiner im Exil lebenden Kontrahentin, Benazir Bhutto, eine "Politik der Versöhnung" an. Er ließ alle Korruptionsanklagen gegen Bhutto, ihren Mann und ihre engsten Mitarbeitern fallen. Das hatte Bhutto als Pfand für eine Zusammenarbeit mit Musharraf verlangt. Am Freitag soll Musharraf einen entsprechenden Erlass unterzeichnet haben.

Wahrscheinlich ist das Angebot nur ein erster Schritt zu einem umfassenderen Abkommen zwischen Musharraf und Bhutto. Die beiden wollen sich nach Einschätzung der meisten Beobachter die Macht teilen. Musharraf soll demnach Präsident bleiben, und Bhutto wird Ministerpräsidentin. Bhutto hat ihre Rückkehr nach Pakistan für Mitte es Monates angekündigt. Gut möglich, dass die beiden sich bis dahin einig sind.