Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verteidigten Schröders Arbeitsmarktreformen. IAB-Vizechef Ulrich Walwei warnte ausdrücklich vor einer Verwässerung der "Agenda 2010". "Viele Arbeitslose und potenziell von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen kümmern sich heute wesentlich schneller und viel intensiver um neue Stellen als in früheren Zeiten", sagte er. Die früher üblichen, langen Bezugszeiten von Arbeitslosengeld und -hilfe hätten zu einer Scheinsicherheit geführt. Je länger diese Zeit dauere, desto schwieriger werde es, aus der Arbeitslosigkeit wieder herauszukommen. "Deshalb hat es keinen Sinn, die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld und anderen Ersatzleistungen wieder zu erhöhen", sagte Walwei.

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sah dagegen keine positive Wirkung der "Agenda 2010". IMK-Chef Gustav A. Horn sagte, er könne keinen positiven Beschäftigungseffekt durch die "Agenda 2010" und die "Hartz"-Reformen erkennen. Der Beschäftigungsanstieg falle in der jetzigen Konjunkturphase nicht höher aus als beim Aufschwung davor. Deutlich verstärkt habe sich vor allem der Lohndruck, so dass viele Beschäftigte zu wesentlich mehr Konzessionen bereit seien.

Nach Berechnungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wären von Becks Plänen eine halbe Million Arbeitslose über 45 Jahre betroffen. Würden maximal die Hälfte der Betroffenen die längere Zahldauer der einkommensabhängigen Leistung in Anspruch nehmen, kämen jährliche Kosten von mindestens 1,1 Milliarden Euro auf die Versichertengemeinschaft zu, sagte der ZEW-Arbeitsmarktexperte Holger Bonin.