Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird ihre Streiks bei der Bahn möglicherweise am Montag fortsetzen, wenn die Bahn sich nicht auf neue Verhandlungen einlässt. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher sagte am Freitag: "Sie müssen sich auf Streik einstellen, denn wir werden unsere Strategie beraten und ich schließe auch Streiks am Montag nicht aus." Der Vorsitzende Manfred Schell bewertete die Aktionen vom Freitag als Erfolg. Die Bahn habe ihre Notfallpläne umgesetzt und damit im Regionalverkehr das Zugangebot um fünfzig Prozent reduziert. Hinzu komme der Beitrag der GDL-Mitglieder. Deren Streiks seien aus GDL-Sicht "positiv zu bewerten".

Wegen des Tarifkonflikts fährt die Bahn im ganzen Bundesgebiet nur nach einem Notfahrplan. Rund zwei Drittel der 750 Fernzüge sollen nach Angaben der Deutschen Bahn fahren, vor allem ICEs. Im Regionalverkehr seien fünfzig Prozent unterwegs.

Dennoch kam es vor allem für die auf Regional- und S-Bahn angewiesenen Reisenden zu erheblichen Verspätungen. Eine GDL-Sprecherin nannte es befremdlich, dass die Bahn schon einen Notfahrplan in Kraft gesetzt habe, bevor die Streiks überhaupt begonnen hätten. "Damit bringt die Bahn die Fahrgäste völlig unnötig gegen uns auf."

Der Notplan sei "für die Kunden am Besten", sagte dagegen ein Bahnsprecher. Sie hätten sich so schon am Vortag darüber informieren können, welche Züge fahren und welche nicht. Auf das Streikverbot des Arbeitsgerichts Chemnitz für den Güter- und Fernverkehr habe die Bahn so kurzfristig nicht mehr reagieren können. Das Gericht hatte seinen Beschluss erst am frühen Freitagmorgen verkündet.

Schon vor dem offiziellen Streikbeginn um 8 Uhr war es zu Einschränkungen und einem starkem Andrang auf Züge und S-Bahnen gekommen. "Wir vermuten, dass die Pendler ähnlich wie beim Streik in diesem Sommer deutlich früher aufgebrochen sind", sagte ein Bahnsprecher. Die GDL legte den Nahverkehr und die S-Bahnen in vielen Städten bis 11 Uhr still.

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In ganz Deutschland haben sich wegen des Notfallplans die Taktzeiten verändert:

In Berlin fahren die Regionalexpressbahnen 1 und 2 im Zwei-Stundentakt, die anderen Regionalbahnlinien werden den Tag über unregelmäßig verkehren. Teilweise hat die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Der Verkehr der Berliner S-Bahn ist mittlerweile vollständig zum Erliegen gekommen.

In Nordrhein-Westfalen werden die meisten Zugverbindungen aufrecht erhalten, allerdings werden die Züge nicht so häufig wie an normalen Tagen verkehren. Die während der Hauptverkehrszeiten eingesetzten zusätzlichen Züge fallen aus.