Sind die Antworten so originell, die Aufregung so groß? Zumindest die Empörung wird von Interview zu Interview stärker. Und gespielter. "Die Reise war ja auch verdammt teuer", sagt die eine ältere Frau und schiebt nach: "Das können Sie doch gut senden."

Reißaus vor den Kameras nehmen zunächst die Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Trotzdem sind sie Teil der Streik-Show: Sie stehen an jedem Gleis, an jedem Eingang des Bahnhofs. Sie sind die Charme-Offensive der Bahn und tragen deshalb rote Westen. In Großbuchstaben steht darauf "Service".

Doch nicht immer ist der Name Programm. "Wer hilft mir jetzt?", will ein Mann wissen, als der Bahn-Mitarbeiter eine Pause einlegt. "Sie können doch nicht Pause machen, da steht doch Service auf ihrem Hemd." Der "Service"-Mann raunzt zurück: "Sehe ich aus, als ob ich ein Computer bin?" Er schickt den Kunden zum Informations-Schalter.

Auch dort sammeln sich keine Massen. Etwa ein Dutzend Fahrgäste warten in zwei Schlangen. Ganz hinten in der Reihe steht Dagmar Hauser. Die 28-Jährige möchte nach Karlsruhe, in ihre Heimat. Es ist ihr letzter Urlaubstag in Hamburg, und eigentlich wollte sie eine Hafenrundfahrt machen. "Die fällt jetzt ins Wasser", sagt sie und lacht. "Aber ich wurde ja vorgewarnt und habe mich darauf vorbereitet." Sie öffnet die weiße Plastiktüte in ihrer linken Hand. Der Inhalt: Ganz viele Brötchen.

Etwas weiter vorne wartet Fetanet Aksy. Der Berufsschüler muss sich beim Service-Point eine Bescheinigung abholen, für seinen Lehrer. "Sonst zählt das als unentschuldigte Fehlstunde", sagt der 17-Jährige. Das hat er schon vor Tagen, als der Streik angekündigt wurde, abgeklärt.